Dinosaurier litt unter Wirbelsäulen-Verkrümmung

Bereits die Dinosaurier hatten mit Krankheiten zu kämpfen, die heute überwiegend vom Menschen bekannt sind. Das belegt ein missgebildeter Wirbelknochen im Skelett eines schafsgroßen Dinosauriers, das Berliner und Bonner Forscher untersucht haben. Das Tier litt demnach unter einer fehlerhaften Verschmelzung der Wirbelanlagen, wie sie mitunter bei menschlichen Neugeborenen beobachtet wird.

Dinosaurier-Rueckenverkruemmung Florian Witzmann (Mitte) und seine Mitautoren Patrick Asbach (rechts) und Oliver Hampe (links) mit dem ungewöhnlichen Patienten. Foto: Museum für Naturkunde, Berlin

Wahrscheinlich habe die resultierende Verkrümmung der Wirbelsäule den Dinosaurier sein ganzes Leben lang beeinträchtigt, vermuten Florian Witzmann vom Museum für Naturkunde der Humboldt-Universität Berlin und seine Kollegen. Dieses Leben habe allerdings nicht allzu lang gewährt, zeige bereits die geringe Größe des Wirbels.

Die Paläontologen, Mediziner und Physiker studierten ein 2,5 mal 1 Zentimeter großes Wirbelstück eines Dysalotosaurus lettowvorbecki. Gemeinsam mit Dutzenden Artgenossen war der Pflanzenfresser vor 150 Millionen Jahren an einem schlammigen Küstenabschnitt im heutigen Tansania gestorben. Die zugehörigen Fossilien wurden im Jahre 1911 entdeckt.

Bei der computertomographischen Untersuchung des Knochens stießen die Forscher auf eine ungewöhnliche Fehlbildung. Offenbar waren während der Embryonalentwicklung des Tieres nicht etwa die linken und rechten Hälften des gleichen Wirbels, sondern zweier benachbarter Wirbel miteinander verschmolzen. An ein Prozentzeichen erinnernd, entstand so ein schräg gestellter Wirbel mitsamt zweier kleiner Halbwirbel. Als Folge dieser hemimetameren Segmentverschiebung knickte die Wirbelsäule des betroffenen Dysalotosauriers nach oben und zur Seite ab.

„Dieser Befund zeigt, dass Halbwirbel einen fundamentalen Defekt im Entwicklungsprogramm von Wirbeltieren darstellen“, folgern Witzmann und Kollegen im Fachblatt „Anatomical Record“.

Forschung: Florian Witzmann, Museum für Naturkunde, Humboldt-Universität Berlin; Patrick Asbach, Institut für Radiologie, Charité, Berlin; Kristian Remes, Institut für Mineralogie, Geologie und Paläontologie, Universität Bonn; und andere; Veröffentlichung in „Anatomical Record“, DOI 10.1002/ar.20734

Weiter im Web:
Museum für Naturkunde, Berlin
Steinmann-Institut, Uni Bonn
Skoliose

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