Zaghafte Biber

Auch die Biber haben im Laufe der Zeit dazugelernt, hat eine kanadische Paläontologin bei der Untersuchung gut 5 Millionen Jahre alter Ästen entdeckt. Gemessen an den daran erhaltenen Bissspuren, taten sich die damaligen Biber beim Zerlegen des Holzes deutlich schwerer als ihre heutige Verwandtschaft.

schwimmender Biber Foto: David Parsons /iStockphoto

Das gilt vor allem in puncto Effizienz, berichtet Natalia Rybczynski vom Kanadischen Naturkundemuseum im Fachblatt “Paleobiology”. Zwar dürften die ausgestorbenen Biber die gleiche Bisstechnik eingesetzt haben wie heutige Biber. Allerdings scheinen sie sich stärker mit dem Abknabbern von Holzspänen an der Bissstelle aufgehalten zu haben.

Die Forscherin untersuchte außergewöhnlich gut erhaltene Baumfossilien samt Nagespuren, die bereits in den 60er-Jahren auf der kanadischen Ellesmere-Insel entdeckt worden waren. Weit jenseits des Nordpolarkreises gelegen, weist die Insel heute ein frostiges Klima auf, in dem bestenfalls zwergenhafte Weiden gedeihen. Unter den deutlich milderen Bedingungen vor einigen Millionen Jahren gab es dort jedoch ein produktives Wald-Ökosystem.

Rybczynski nahm präzise Vermessungen der alten Bissspuren vor und konnte sie einem Vertreter der Gattung Dipoides zuordnen. Fossilien dieser relativ kleinen Biber waren in den 80er-Jahren entdeckt worden. Um anhand der Bissspuren auf das Verhalten schließen zu können, studierte die Forscherin das Gebiss und dessen Einsatz beim modernen Kanadischen Biber (Castor canadensis).

Ähnlich wie dieser, dürfte Dipoides demnach die Schneidezähne nur einer Gebisshälfte eingesetzt haben, um sich durch kleinere Äste und Zweige zu arbeiten. Doch selbst in Relation zu den schmaleren Zähnen sind die fossilen Bissspuren deutlich kleiner als jene heutiger Biber. Offenbar hat Dipoides häufig nur an dem Holz geknabbert, statt ihm mit Nachdruck zuzusetzen. Daher dürfte es ihm auch schwer gefallen sein, große Staudämme anzulegen und geräumige Burgen zu errichten, vermutet Rybczynski.

Forschung: Natalia Rybczynski, Earth Sciences Collection, Canadian Museum of Nature, Ottawa, Ontario; veröffentlicht in „Paleobiology“, Vol. 34(3), September 2008, pp 389-402, DOI 10.1666/06085.1

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