Pseudozahn-Vogel hatte fünf Meter Flügelspannweite

Einen 50 Millionen Jahre alten Hochseeflieger stellt Gerald Mayr vom Forschungsinstitut Senckenberg vor. Er berichtet im Magazin „Paleontology“ über einen Schädel, der auf der Isle of Sheppey etwa 40 Kilometer östlich von London gefunden wurde. Der Vogel gehörte der ausgestorbenen Gattung Dasornis an.

Pseudozahn-Vogel Rekonstruktion des „Pseudozahn-Vogels“. Bild: Ludger Bollen, „Der Flug des Archaeopteryx“, Quelle+Meyer Vlg.
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Beim Dasornis handelt es sich um einen entfernten Vorfahren der heutigen Enten und Gänse. Der Vogel erreichte eine Flügelspannweite von fünf Metern und trug knöcherne Pseudo-Zähnen entlang der Schneidekante des Schnabels. Diese Knochenvorsprünge könnten den Tieren geholfen haben, Fische und Kalmare von der Meeresoberfläche zu fischen, vermutet Gerald Mayr vom Forschungsinstitut Senckenberg.

„Wie alle heute lebenden Vögel hatte auch Dasornis einen Schnabel aus Keratin“, so Mayr, „das ist die gleiche Substanz, die sich in unseren Haaren und Fingernägeln findet. Aber Dasornis hatte zusätzlich diese knöchernen Pseudo-Zähne. Heute lebende Vögel haben keine echten Zähne, die aus Dentin und Zahnschmelz bestehen, da ihre entfernten Vorfahren sie vor mehr als 100 Millionen Jahren verloren haben. Vermutlich um Gewicht zu sparen und so das Fliegen zu erleichtern. Die mit solchen knöchernen Pseudo-Zähnen ausgestatteten Vögel, wie Dasornis, bilden eine Ausnahme. Durch die Entwicklung dieser knöchernen Fortsätze haben sie die zahnähnlichen Strukturen quasi wieder neu erfunden.“

Fossiler Schädel eines Pseudozahn-Vogels Der fossile Schädel von Dasornis und seine Rekonstruktion. Bilder: Fred Clouter, sheppeyfossils.com
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Das Vorkommen der Vögel in den Fossillagerstätten des London Clay ist schon länger bekannt. Das jetzt beschriebene Fossil zeigt aber neue anatomische Details, berichtet Mayr im Journal „Paleontology“. Der Schädel wurde vor einigen Jahren geborgen und gehört mittlerweile zur Sammlung des Naturkundemuseums Karlsruhe.

Forschung: Gerald Mayr, Forschungsinstitut Senckenberg, in „Palaeontology“ Vol. 51 Issue 5, pp 1107-1116, Online-Veröffentlichung vom 26.9.2008

Weiter im Web:
Forschungsinstitut Senckenberg
Abstract in Palaeontology

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