Genetisch bedingte Krankheiten sind Millionen Jahre alt

Genetisch bedingte Krankheiten sind ein altes evolutionäres Vermächtnis, hat ein deutsch-kroatisches Forscherduo ermittelt. Als sich die Säuger von den übrigen Wirbeltieren abspalteten, war der Großteil der verantwortlichen Gene bereits in ihrem Erbgut vorhanden.

Tatsächlich scheinen die meisten dieser Gene sogar noch aus der Zeit der ersten Zellen zu stammen, fanden Tomislav Domazet-Lošo und Diethard Tautz vom Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in Plön und vom Ruđer-Bošković-Institut in Zagreb. Ihre Studie stellen sie im Fachblatt „Molecular Biology and Evolution“ vor.

Nach Ansicht der Forscher erleichtert dieses Resultat die Erforschung der entsprechenden Krankheiten – zeige es doch, dass zumindest die grundlegenden Mechanismen an einfachen Modellorganismen wie Taufliegen und Fadenwürmern studiert werden können.

Domazet-Lošo und Tautz verglichen für ihre Studie die vollständig entschlüsselten Genome mehrerer Organismen. Mit Hilfe einer eigens entwickelten statistischen Methode ermittelten sie für rund 23.000 menschliche Proteine und deren Pendants bei Tieren, wann der früheste gemeinsame Vorfahr mit dem entsprechenden Gen im Stammbaum der Tiere lebte.

Von 1.760 betrachteten menschlichen Genen, deren Mutationen bekanntermaßen zu Krankheiten führen, entstanden viele demnach schon während der Evolution der Vielzeller vor rund 1 Milliarde Jahren. Als vor rund 400 Millionen Jahren die Knochenfische auftauchten, waren bereits 98 Prozent dieser Gene vorhanden. Weniger als 1 Prozent kamen während der Entwicklung der Säuger hinzu.

„Wir können genetisch bedingte Krankheiten somit letztlich nie vollständig besiegen, da sie Prozesse betreffen, die in der Evolution unveränderbar festgelegt wurden“, erklärt Tautz. Umgekehrt stelle sich die Frage, warum Mutationen in solchen Genen, wie sie beispielsweise für die Entwicklung der Säugetiere nötig seien, nur selten Krankheiten auslösten.

Forschung: Tomislav-Domazezt-Lošo und Diethard Tautz, Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie, Plön, und Laboratory of Evolutionary Genetics, Ruđer Bošković Institute, Zagreb; veröffentlicht in „Molecular Biology and Evolution“, DOI 1093/molbev/msn214
Grafik (Ausschnitt): Irena Andreic, Institut Ruđer Bošković

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Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie
Institut Ruđer Bošković
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