Fußspuren oder Erdlöcher?

Vor rund drei Wochen berichteten Forscher der University of Utah von der Entdeckung Tausender Dinosaurier-Spuren im Naturschutzgebiet Vermilion Cliffs National Monument. Vier Kollegen, welche die Fundstätte in Augenschein nahmen, bezweifeln jetzt, dass es sich um tierische Fußspuren handelt. Sie sahen bei einer Begehung lediglich Erdlöcher, die ihrer Meinung nach durch Erosion entstanden sind.

Geologe Winston Seiler am Fundort Fußspuren oder Erdlöcher? Der Geologe Winston Seiler am Fundort. Foto: Nicole Miller, University of Utah.
Zum Vergrößern Foto anklicken!

Winston Seiler und Marjorie Chan von der University of Utah hatten im Fachmagazin „Palaios“ berichtet, dass sich auf rund 3.000 Quadratmetern Fläche Dino-Spuren der unterschiedlichsten Art konzentrieren. Vor 190 Millionen Jahren haben die Saurier demnach ihre Abdrücke in nassem, sandigem Untergrund hinterlassen (siehe Meldung vom 21.10.).

Vier Wissenschaftler anderer Forschungsstätten sehen den Sachverhalten jetzt anders. Widerspruch kommt vom Paläontologen Brent Breithaupt von der University of Wyoming, vom Paläontologen Alan Titus vom U.S. Bureau of Land Management sowie dem Geologen Rody Cox und dem Paläontologen Andrew Milner von der St. George Dinosaur Discovery Site at Johnson Farm.

Die vier Forscher hatten sich nach der Veröffentlichung zur Fundstätte aufgemacht und konnten im Umfeld auch vereinzelte Dinosaurier-Spuren identifizieren. Die eigentliche, als „Tanzplatz“ tausender Tiere bekannt gewordene Fläche geht nach Meinung der Forscher aber auf eine fehlerhafte Interpretation zurück. „Dort gibt es einfach keine Fußspuren oder irgendetwas, was solchen Spuren ähnlich sieht“, wird Breithaupt jetzt in einer Pressemeldung der University of Utah zitiert. Dort sah man sich angesichts der großen internationalen Resonanz offenbar gezwungen, die Zweifel selbst zu veröffentlichen.

Man werde die Formation in einer weiteren Untersuchung gemeinsam mit Seiler und Chan noch einmal unter die Lupe nehmen, kündigt Breithaupt an.

Chan und Seiler sehen noch keinen Anlass, ihre „Palaios“-Veröffentlichung zurückzuziehen. Es gebe zwar durchaus Gründe, die Vertiefungen an der Fundstelle als natürliche Erdlöcher zu interpretieren, so Chan, doch hätten sie diese Möglichkeit bereits in ihrem Artikel diskutiert und aus guten Gründen verworfen. Im Vergleich zu natürlich entstandenen Löchern im Colorado Plateau gebe es am Fundort große Unterschiede. Sollte es sich dabei um natürliche geologische Prozesse handeln, wäre dies extrem ungewöhnlich.

Auch Seiler ist klar, dass seine Arbeit nicht unumstritten ist. Weitere Forschung sei willkommen. Sollten die Kritiker Recht behalten, werde er das akzeptieren. „Das ist Teil der Wissenschaft“, so Seiler zu seiner möglichen Fehleinschätzung.

Forschung: Marjorie Chan, University of Utah; Winston Seiler, Chevron Inc., in Bakersfield, California; veröffentlicht in Palaios, Vol. 23 Issue 10, Oktober 2008

Weiter im Web:
Veröffentlichung in Palaios
Neue Mitteilung der University of Utah