Fossiler Lurch mit Klappschädel

Einige Raubtiere kommen zu ihren Mahlzeiten, indem sie ihr Maul jäh aufreißen und die überraschte Beute in einem Satz darin verschwinden lassen. Ganz ähnlich dürfte es ein großer Lurch gehandhabt haben, dessen fossile Knochen amerikanische und australische Paläontologen gefunden haben. Allerdings scheint er dazu nicht den Unterkiefer bewegt zu haben, sondern den Rest des Kopfes.

gerrothorax Zeichnungen L. L. Meszoly; Zusammenstellung D. Smiley

“Die Tiere konnten den Kopf in den Nacken werfen und so ihr Maul extrem weit öffnen, ohne den Unterkiefer bewegen zu müssen”, erläutert Farish Jenkins von der Harvard University, der Leiter der Forschergruppe. “Für einen Räuber, der am Grund eines Gewässers auf Beute lauert, ist das ideal.”

Das von Jenkins und Kollegen studierte Fossil stammt von einem Plagiosaurier der Art Gerrothorax pulcherrimus. Die bis zu einen Meter langen Tiere erinnern einerseits an schwer gepanzerte Salamander. Andererseits weisen sie einen abgeplatteten Körperbau auf. Das gilt insbesondere für den breiten, dreieckigen Kopf mit eng zusammenstehenden Augen auf der Oberseite.

Die Forscher fanden das 210 Millionen Jahre alte Fossil im Rahmen einer Expedition in Ostgrönland. Wie sie im “Journal of Vertebrate Paleontology” berichten, ist das Skelett beinahe vollständig. Auffällig ist unter anderem das Gelenk zwischen Schädel und erstem Halswirbel. Dessen besondere Form dürfte es den Tieren ermöglicht haben, ihren Kopf um einen Winkel von bis zu 50 Grad relativ zum Unterkiefer anzuheben.

Forschung: Farish A. Jenkins, Jr., Department of Organismic and Evolutionary Biology und Museum of Comparative Zoology, Harvard University, Cambridge, Massachusetts; Anne Warren, Department of Zoology, La Trobe University, Melbourne, Victoria; und andere

Veröffentlichung Journal of Vertebrate Paleontology, Dezember 2008

Weiter im Web:
Paleobiology, Harvard University
Plagiosauridae
Gerrothorax