Fossilien in Reinform

Ein wahres „Knochenlager“ im US-Bundesstaat Kalifornien hat eine weniger dramatische Entstehungsgeschichte als angenommen. Zu diesem Schluss kommen Geowissenschaftler nach einer umfassenden Analyse der mehr als 15 Millionen Jahre alten Fossilien.

Die Zähne und Knochen wurden demnach über einen Zeitraum von mehreren hunderttausend Jahren am damaligen Meeresgrund abgelagert, ohne jedoch von Sediment bedeckt zu werden.

haizahn-pyenson Zähne des bis zu 12 Meter langen Megalodon, eines Verwandten des Weißen Hais, sind zu Abertausenden in dem Knochenlager zu finden. Foto: Nicholas D. Pyenson and the University of California Museum of Paleontology

Bisherige Erklärungsansätze seien dagegen von Massensterben infolge vulkanischer Aktivität oder giftigen Algenblüten ausgegangen, erläutern Nicholas Pyenson von der Universität Berkeley und seine Kollegen. Einer anderen Hypothese zufolge, hätten in der Gegend riesenhafte Haie reichlich Beute gefunden bzw. Meeressäuger ihren Nachwuchs zur Welt gebracht. Keine dieser Vermutungen passe jedoch zu dem Datenmaterial, schreiben die Forscher im Fachblatt “Geology”.

Das Knochenlager liegt in der Nähe der Stadt Bakersfield und tritt auf einer Fläche von fast 50 Quadratkilometern zutage. Kaum einen halben Meter mächtig, birgt die Schicht pro Quadratmeter stellenweise mehr als 600 Fossilien von Wirbeltieren. Darunter sind vor allem Zähne und Knochen von Haien, was einem Hügel in dem Gebiet die Bezeichnung “Sharktooth Hill” eingetragen hat. Überreste von Walen, Robben, Meeresschildkröten und Landsäugern finden sich dort ebenfalls.

Lediglich an 5 von fast 2.800 untersuchten Fossilien finden sich Bissspuren von Haien, berichten Pyenson und Kollegen. Häufig sind dagegen Abriebspuren und Risse, was vermuten lässt, dass die Knochen noch lange nach ihrer Ablagerung am Meeresgrund Aasfressern und Strömungen ausgesetzt waren. Knochen von Jungtieren sind eher selten und Hinweise auf vulkanisches Material fehlen gänzlich.

Wahrscheinlich sei das Knochenlager also schlicht ein Produkt der Strömungsverhältnisse, schließen die Forscher. Gut 700.000 Jahre lang scheint in dem Gebiet praktisch kein Sediment abgelagert worden zu sein. Die Kadaver von Meeresbewohnern, gelegentlich auch ins Meer geschwemmte Kadaver von Landtieren, sanken jedoch weiterhin zum Meeresgrund und bildeten so eine wahre Goldgrube für Paläontologen und Fossiliensammler.

Forschung: Nicholas D. Pyenson, Randall B. Irmis und Jere H. Lipps, Museum of Paleontology und Department of Integrative Biology, University of California, Berkeley; Lawrence G. Barnes, Edward D. Mitchell Jr. und Samuel A. McLeod, Natural History Museum of Los Angeles County, Los Angeles

Veröffentlichung Geology, Vol. 37(6), pp 519-22, DOI 10.1130/G25509A.1

WWW:
Homepage Nicholas Pyenson
University of California Museum of Palentology
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Bonebed

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