Piranhas große Schwester

Ihren schlechten Ruf verdanken Piranhas nicht zuletzt einer Reihe scharfer Zähne. Neues Licht auf die Entwicklung dieses Gebisses wirft das Fossil eines gut meterlangen Piranha-Verwandten, das nord- und südamerikanische Forscher untersucht haben. Die einzelne Reihe von „Sägezähnen“ könnte demnach auf eine Doppelreihe stumpfer Mahlzähne zurückgehen.

megapiranha Das versteinerte Kieferfragment ist gut 10 Zentimeter lang. Foto: Courtesy of Mark Sabaj-Pérez

Das Fossil markiert ein Zwischenstadium in dieser Entwicklung vom Frucht- und Samenfresser zum Fleischfresser, vermuten Wasila Dahdul von der Academy of Natural Sciences in Philadelphia und ihre Kollegen. Die Zähne in dem versteinerten Oberkiefer sind nämlich im Zickzack angeordnet – stehen also noch in zwei Reihen, aber schon auf Lücke zueinander. In der Folge könnten die Zähne der zweiten Reihe einfach einen Schritt nach vorne gemacht haben, schreiben die Forscher im „Journal of Vertebrate Paleontology“.

Das Fossil war bereits Anfang des 20. Jahrhunderts in einer Klippe im Nordwesten Argentiniens gefunden, jedoch nicht weiter untersucht worden. Dahdul und Kollegen fanden nun, dass es zu einer bislang unbeschrieben Gattung und Art gehört, die sie Megapiranha paranensis getauft haben. Der Name ist Programm: Gemessen an dem Kieferfragment, dürften die Fische gut einen Meter lang und damit drei bis vier Mal so groß geworden sein wie ihre moderne, räuberische Verwandtschaft. Ihr Verbreitungsgebiet war das Flusssystem des Paraná.

Eine umfassende Analyse bekräftigte die Vermutung, dass Megapiranha im Stammbaum der Sägesalmler eine Zwischenstellung zwischen Piranhas und Pacus einnimmt. Während erstere überwiegend räuberisch leben, haben sich letztere mit ihren stumpfen Mahlzähnen auf Früchte und Samen spezialisiert. Die kegelförmigen Zähne von Megapiranha sprächen wiederum für einen abwechslungsreichen Speisezettel, so die Forscher.

Forschung: Alberto Luis Cione, División Paleontología de Vertebrados, Museo de La Plata, La Plata; Wasila M. Dahdul und John G. Lundberg, Department of Ichthyology, Academy of Natural Sciences, Philadelphia; Antonio Machado-Allison, Instituto de Zoología Tropical, Universidad Central de Venezuela, Caracas; Veröffentlichung im „Journal of Vertebrate Paleontology“, Vol. 29(2), pp 350-8, DOI 10.1671/039.029.0221

Weiter im Web:
Ichthyology, Academy of Natural Sciences
National Evolutionary Synthesis Center
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