Raue Sitten unter Dinosauriern

Der Tyrannosaurus rex und seine Verwandtschaft stellten nicht nur für ihre Beute eine Gefahr dar. Auch unter den Räubern selbst herrschten raue Sitten, zeigt ein kreidezeitliches Fossil, das zwei kanadische Paläontologen untersucht haben. In dem Knochen eines Raubsauriers steckt der Zahn eines nahen Verwandten oder sogar eines Artgenossen.

bell-and-dino2 Zeichnung: Phil Bell, University of Alberta

Gemessen an dem minimalen Heilungsgrad des Knochengewebes, kann der verwundete Dinosaurier die Bissverletzung bestenfalls wenige Wochen überlebt haben, schätzen Phil Bell und Philip Currie von der University of Alberta. Daher sei es durchaus möglich, dass man es mit einem Fall von Kannibalismus zu tun habe, folgern die beiden Forscher im Fachblatt „Lethaia“.

Der von Bell und Currie studierte Kieferknochen war bereits im Jahr 1996 im Süden der kanadischen Provinz Alberta gefunden worden. Das Fossil ist rund 70 Millionen Jahre alt und stammt wahrscheinlich von einem Gorgosaurus, vielleicht aber auch von einem Daspletosaurus – beides bis zu zehn Meter lange Fleischfresser aus der Familie der Tyrannosauriden.

bell-and-dino3 Phil Bell und eines seiner Studienobjekte. Foto: University of Alberta

Bei der Präparation des Fundstücks stieß ein Museumsmitarbeiter dann auf ein unerwartetes Objekt. Zur Verblüffung aller Beteiligten kam schließlich ein Zahn ans Licht. Die nähere Untersuchung ergab, dass dieser ebenfalls von einer der beiden Arten stammte und mit einer Kraft von rund 6.000 Newton – entsprechend dem Gewicht einer 600-Kilogramm-Masse – in den Knochen gerammt worden war.

Nach Ansicht Bells sind zwei Szenarien denkbar. „Entweder wurde der Dinosaurier von dem Angreifer getötet. Oder er war bereits tot – und Dinosaurier sind nicht dafür bekannt, eine kostenlose Mahlzeit auszulassen.“ Allerdings könnte die tödliche Bissverletzung auch von einem Revierkampf oder dem Streit um Nahrung herrühren, so der Forscher. Dies schmälere jedoch keinesfalls den Wert des Fundstücks. „Wir suchen ständig nach Hinweisen auf das Verhalten dieser Tiere, und die können uns nur außergewöhnliche Fossilien liefern, Fossilien wie dieses.“

Forschung: Phil R. Bell und Philip J. Currie, Department of Biological Sciences, University of Alberta, Edmonton; veröffentlicht in „Lethaia“, DOI 10.1111/j.1502-3931.2009.00195.x

Weiter im Web:
Currie Group, University of Alberta
Dinosaur Provincial Park, Alberta
Tyrannosauridae

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Ein Kommentar

  1. Sieht man sich andere Berichte und Studien über Tyrannosaurier an, so erfährt man, dass es zwar zu Streitigkeiten dierser Art bei der Balz, bei Revirkämpfen oder, falls nötig, um Futter kommen konnte, aber kanibalische Tyrannosaurier sind mir fremd. Sie sollen sogar in sozialen Gruppen, wie Familien gelebt haben und waren rührende Eltern.
    Daher lehne ich mich mal weit aus den Fenster und befinde die Therorie des kanibalischen Gorgosaurus, Daspletosaurus oder Tyrannosaurus für absurt.

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