Giftzähne bei Dinosauriern?

Einige Dinosaurier haben ihre Beute vielleicht mit Gift kampfunfähig gemacht. Zu diesem Schluss kommen chinesische und amerikanische Forscher nach der erneuten Untersuchung von in China entdeckten Raubsauriern. Der Schädel der Tiere weist den „Abdruck“ einer mutmaßlichen Giftdrüse sowie lange Furchen auf, durch die das Drüsensekret bis an die Zahnspitzen gelangt sein könnte.

„Sobald die Zähne in die Haut des Opfers versenkt worden waren, floss das Gift langsam in die Wunde“, erklärt Larry Martin von der University of Kansas. Dieser Mechanismus sei ähnlich wie bei vielen modernen Schlangen und Echsen, schreiben der Paläontologe und seine Kollegen in den „Proceedings of the National Academy of Sciences“.

Foto: David A. Burnham, University of Kansas Biodiversity Institute

Die Forscher nahmen Vertreter der im Jahr 1999 erstmals beschriebenen Dinosaurier-Gattung Sinornithosaurus erneut unter die Lupe. Die „Chinesische Vogelechse“ gehört zu den Dromaeosauriern und damit – laut vorherrschender Meinung – zu einer Schwesterlinie der Vögel. Die truthahngroßen Tiere lebten vor rund 128 Millionen Jahren im Nordosten des heutigen China. In den dortigen Wäldern könnten sie kleinen Sauriern bzw. Vögeln nachgestellt haben.

Martin und Kollegen fiel eine Vertiefung an der Außenseite des Schädels auf, von der aus eine kurze Rinne zum Ende des Oberkiefers läuft. Nach Ansicht der Forscher könnte hier eine Giftdrüse samt ausführenden Gängen gelegen haben. Letztere mündeten wiederum in eine flache Furche, die sich auf der Innenseite des Oberkiefers entlang der Zahnreihe nach vorne zieht. Passend dazu, weisen die längsten Zähne eine Längsfurche auf, die das Drüsensekret von der Zahnbasis zur Zahnspitze geleitet haben könnte.

Größtenteils aus einer stark verlängerten Wurzel bestehend, seien die Zähne allerdings nicht stabil genug, um tief in das Fleisch eines Beutetieres geschlagen zu werden, schreiben die Paläontologen. Wahrscheinlich hätten sie lediglich das dichte Federkleid einer Beute durchstoßen und einige Millimeter tief in die Haut eindringen müssen. „Diese wäre ausreichend, um das Unterhautgewebe zu erreichen und Gift in den Blutkreislauf zu bringen“, so die Forscher, „allerdings wäre es nicht tief genug, um allein durch das Trauma Tod oder Bewegungsunfähigkeit herbeizuführen.“

Forschung: Enpu Gong, Department of Geology, Northeastern University, Liaoning; Larry D. Martin, David A. Burnham und Amanda R. Falk, Division of Vertebrate Paleontology, Natural History Museum, und Department of Geology, University of Kansas, Lawrence; veröffentlicht in PNAS, DOI 10.1073/pnas.0912360107

Weiter im Web:
University of Kansas Natural History Museum
Northeastern University, Liaoning
Dromaeosauridae

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