Männermangel bei Moas

Bei den Moas, den ausgestorbenen Riesenvögeln Neuseelands, hatten die Weibchen das Sagen. Diese Ansicht bekräftigen Analysen von Fossilien-DNA, die neuseeländische und australische Forscher durchgeführt haben. Auf einen männlichen Moa kamen demnach gut fünf Weibchen, die zudem deutlich kräftiger gebaut waren.

Offenbar stellte sich das Ungleichgewicht erst nach der Geschlechtsreife ein, fanden die Biologen und Genetiker um Richard Holdaway von der University of Canterbury. „Es scheint, als hätten die weiblichen Moas ihren Männchen das Leben schwer gemacht“, so der Forscher. „Vielleicht waren sie territorial und vertrieben die Männchen aus den besten Habitaten.“

Bild: Heinrich Harder via Wikimedia.org

Holdaway und Kollegen untersuchten Fossilien aus zwei Fundstätten auf der neuseeländischen Südinsel, in denen Knochen von vier Moa-Spezies aus gut drei Jahrtausenden erhalten sind. Die jüngsten Funde stammen aus dem 13. Jahrhundert und damit aus jener Zeit, in der sich die ersten Polynesier auf Neuseeland niederließen. Wahrscheinlich rotteten die Siedler die flugunfähigen, teils mehr als 150 Kilogramm schweren Vögel binnen kurzer Zeit aus.

Anhand der im Gewebe erhaltenen DNA konnten die Forscher an 227 Individuen eine Geschlechtsbestimmung vornehmen. Wie sie im Fachblatt „Quaternary Science Reviews“ berichten, lag das Zahlenverhältnis von Männchen zu Weibchen insgesamt bei 1 zu 5,1. Im Falle einer der vorhandenen Arten (Euryapteryx curtus) konnten zudem 20 Jungtiere identifiziert werden: erstaunlicherweise war das Geschlechterverhältnis hier noch völlig ausgeglichen.

„Der Erhaltungsgrad der DNA in diesen Fossilien ist wirklich erstaunlich“, ergänzt Holdaways Doktorand Morten Allentoft. Für Paläontologen eröffne sich damit eine Gelegenheit, mehr über Leben und Demographie der Moas herauszufinden. „Dieses verrückte Geschlechterverhältnis ist erst der Anfang.“

Forschung: Morten E. Allentoft und Richard N. Holdaway, School of Biological Sciences, University of Canterbury, und Palaecol Research Ltd, Christchurch; Michael Bunce, School of Biological Sciences and Biotechnology, Murdoch University, Perth; und andere; veröffentlicht in „Quaternary Science Reviews“, DOI 10.1016/j.quascirev.2009.11.022

Weiter im Web:
Biological Sciences, University of Canterbury
Ancient DNA Laboratory, Murdoch University
Moa

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