Kindliche Köpfe bei Dinosauriern

Kinder sehen nicht aus wie kleine Erwachsene, sondern haben ein rundlicheres Gesicht mit großen Augen. Auf ein ähnliches Muster sind amerikanische Paläontologen bei einem Dinosaurier gestoßen. Die Jungen des Sauropoden hatten weniger kantige Schnauzen und vergleichsweise größere Augen als erwachsene Tiere.

Junges und altes Exemplar eines Diplodocus Bild: Mark A Klingler / Carnegie Museum of Natural History

Der Fund des Jungtierschädels sei ein echter Glücksfall für die Forschung, erklärt John Whitlock von der University of Michigan. „Schädel von erwachsenen Sauropoden sind schon selten, aber Schädel von jungen Tieren sind noch seltener.“ Praktisch alles, was man über die Köpfe dieser massigen, langhalsigen Dinosaurier wisse, beruhe auf Skeletten von Alttieren.

Whitlock und Kollegen studierten den Schädel eines Vertreters der Gattung Diplodocus. Das rund 150 Millionen Jahre alte Fossil war bereits 1921 gefunden worden und hatte seitdem mehr oder weniger unbeachtet im Carnegie Museum of Natural History in Pittsburgh geschlummert. Sehr zu Unrecht, berichten die Forscher im „Journal of Vertebrate Paleontology“.

Erwachsene Diplodocus besaßen eine lange und gleichzeitig sehr kantige Schnauze, die sich deutlich von den runden oder spitz zulaufenden Schnauzen anderer Sauropoden unterschied. Die Schnauze des Diplodocus-Jungtiers ist dagegen ebenfalls spitz zulaufend, berichten die Forscher. Zudem weist sein Schädel relativ große Augen und ein kleines Gesicht auf.

„Obwohl dieser Schädel offenkundig von einem jungen Diplodocus stammt, unterscheidet er sich doch in vielen Aspekten von dem eines Alttiers“, so Whitlock weiter. Eine mögliche Erklärung für die unterschiedliche Schnauzenform in verschiedenen Altersklassen liege in der Ernährung: Vielleicht hätten die Jungtiere andere Pflanzen gefressen oder seien wählerischer gewesen als die Alttiere. Auf diese Weise hätte eine Konkurrenz um Nahrung vermieden werden können.

Forschung: John A. Whitlock und Jeffrey A. Wilson, Museum of Paleontology und Department of Geosciences, University of Michigan, Ann Arbor; Matthew C. Lamanna, Carnegie Museum of Natural History, Pittsburgh, Pennsylvania; veröffentlicht im „Journal of Vertebrate Paleontology“, Vol. 30(2), pp 442-57

Weiter im Web:
Museum of Paleontology, University of Michigan
Carnegie’s Dinosaurs
Diplodocus
Sauropode Dinosaurier

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