Angeknabberte Dinosaurierknochen

Schon vor 75 Millionen Jahren verstanden sich kleine Säuger auf die effiziente Nutzung von Ressourcen. Das zeigen Nagespuren, die amerikanische Forscher an Knochen von Dinosauriern und anderen großen Tieren entdeckt haben. Die Spuren stammen wahrscheinlich von eichhörnchengroßen Säugetieren, die es auf die Mineralien in der Knochensubstanz abgesehen hatten.

Foto: Nicholas Longrich/Yale University

„Die Knochen stellten für diese Tiere so etwas wie ein Nahrungsergänzungsmittel dar“, erklärt Nicholas Longrich von der Yale University in New Haven. Wahrscheinlich hätten sich die nagerähnlichen Säuger über die Knochen hergemacht, erst nachdem andere Tiere das Fleisch davon abgefressen hatten, so der Paläontologe.

Longrich und sein Kollege Michael Ryan vom Cleveland Museum of Natural History entdeckten die Nagespuren auf Knochen aus der kanadischen Provinz Alberta. Die unterbrochenen, je paarweise verlaufenden Furchen finden sich unter anderem auf Rippen und Oberschenkelknochen großer Hadrosaurier bzw. Ceratopsiden, auf dem Oberschenkelknochen eines gut anderthalb Meter langen, krokodilähnlichen Champsosauriers und auf dem Unterkiefer eines kleineren Beuteltiers.

Grafik: Nicholas Longrich/Yale University

Offenbar stammen die Spuren von Tieren mit einander gegenüberstehenden Paaren von Schneidezähnen in Ober- und Unterkiefer, so die Forscher. Zu jener Zeit, in der Oberkreide, hätten lediglich die nagerähnlichen Säuger aus der Gruppe der Multituberculata dieses Merkmal aufgewiesen. Gemessen an den Spuren, seien diese Säuger aber längst nicht so spezialisiert gewesen wie die heutigen Nagetiere.

Wahrscheinlich könne man Nagespuren auf vielen alten Knochen finden, wenn man nur wisse, worauf man achten müsse, erläutert Longrich. „Die Spuren sind mir sofort ins Auge gefallen, weil ich ähnliche Spuren als Kind schon einmal gesehen habe, nämlich an einem Hirschgeweih, das mein Vater mit nach Hause gebracht hatte.“

Forschung: Nicholas R. Longrich, Department of Geology and Geophysics, Yale University, New Haven, und Michael J. Ryan, Department of Vertebrate Paleontology, Cleveland Museum of Natural History, Cleveland; veröffentlicht in „Palaeontology“, DOI 10.1111/j.1475-4983.2010.00957.x

Weiter im Web:
Geology and Geophysics, Yale University
Vertebrate Paleontology, Cleveland Museum of Natural History
Hall of Mammals

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