Wie Raubsaurier erwachsen wurden

Junge Raubsaurier waren keine kleinen Ausgaben erwachsener Artgenossen. Das zeigt der Schädel eines kaum drei Jahre alten Tyrannosauriers, den japanische und mongolische Wissenschaftler in der Wüste Gobi gefunden haben. Abgesehen von der nötigen Größe fehlten dem Jungspund noch weitere Merkmale, die ihm das Angehen großer Beute ermöglicht hätten.

Foto: Courtesy Hayashibara Museum of Natural Sciences

Der junge Tarbosaurus setzte wahrscheinlich noch auf Geschick und Schnelligkeit, um kleinere Dinosaurier zu packen, vermuten Takanobu Tsuihiji vom Nationalen Naturkunde- und Wissenschaftsmuseum in Tokyo und seine Kollegen. Ältere Individuen dürften dagegen langhalsige Sauropoden und andere große Pflanzenfresser überwältigt haben, schreiben die Forscher im „Journal of Vertebrate Paleontology.“

Aus ökologischer Sicht stelle ein solcher Wandel einen Vorteil dar, erläutert Tsuihijis Kollege Lawrence Witmer von der Ohio University. „Die verschiedenen Altersgruppen mussten nicht miteinander um Nahrung konkurrieren, weil sich ihr Speiseplan mit dem Wachstum veränderte“, so der Forscher. „Darin liegt eines der Erfolgsgeheimnisse der Tyrannosaurier.“

Tsuihiji, Witmer und ihre Kollegen studierten den knapp 30 Zentimeter langen Schädel eines Tarbosaurus bataar. Das Fossil war im Jahr 2006 im Süden der Mongolei gefunden worden – eingebettet in rund 70 Millionen Jahre altes Gestein der Nemegt-Formation. Das Material wurde einst in einer üppigen Flusslandschaft abgelagert. Zahlreiche Fossilien von Fischen, Schildkröten, Dinosauriern und Vögeln belegen, dass hier eine reichhaltige Wirbeltierfauna lebte.

Die Forscher untersuchten den seltenen Fund per hochauflösender Computertomografie und konnten so ein dreidimensionales Modell des Schädels erstellen. Der Vergleich mit bis zu 120 Zentimeter langen Schädeln älterer Tarbosaurus ergab, dass einige typische Merkmale bei dem Jungtier noch nicht ausgebildet waren. So fehlen etwa große Ansatzstellen für eine voluminöse Kaumuskulatur, deren Kraft der Schädel in Ermangelung typischer Knochenverstärkungen wohl auch nicht standgehalten hätte. Auch sind die Zähne, obschon vollzählig vorhanden, noch vergleichsweise dünn und zerbrechlich.

„Das Wunderbare an unserem neuen Schädel ist, dass wir mit absoluter Sicherheit wissen, dass es sich um einen Tarbosaurus handelt“, so Witmer weiter. Das Wissen um die Veränderungen im Laufe des Erwachsenwerdens bei Dinosauriern könne daher helfen, die gelegentliche Verwirrung bei der Zuordnung kleiner Schädel mit primitiv anmutenden Merkmalen zu vermeiden.

Forschung: Takanobu Tsuihiji, Department of Geology, National Museum of Nature and Science, Tokyo; Khishigjav Togtbaatar, Mongolian Paleontological Center, Mongolian Academy of Sciences, Ulan Bator; Lawrence M. Witmer, Department of Biomedical Science, College of Osteopathic Medicine, Ohio University, Athens; und andere; veröffentlicht im „Journal of Vertebrate Paleontology“, Vol. 31(3)

Weiter im Web:
National Museum of Nature and Science
Witmer Lab, Ohio University
Tarbosaurus
Dinosaurier.org

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