Brachiosaurier waren gut temperiert

Dinosaurier waren nicht die kaltblütigen Echsen, für die sie lange gehalten wurden. Neue Belege für diese Ansicht liefert eine Bestimmung der Körpertemperatur, die amerikanische und deutsche Forscher im Magazin „Science“ vorstellen. Ihren fossilen Zähnen nach zu urteilen, dürften es zumindest die langhalsigen Riesen aus der Gruppe der Sauropoden auf Werte zwischen 36 und 38 Grad Celsius gebracht haben.

Grafik: Russell Hawley, Tate Geological Museum

„Unsere Daten geben klare Hinweise darauf, dass die Körpertemperatur deutlich höher und stabiler als die Umgebungstemperatur war“, erklärt Thomas Tütken von der Universität Bonn. Nach Ansicht des Geowissenschaftlers und seiner Kollegen sprechen die Werte klar für einen hochtourig laufenden Stoffwechsel, der den Sauropoden auch ihr rasches Wachstum ermöglichte.
Die Forscher um Tütken und seinen Kollegen Robert Eagle vom California Institute of Technology analysierten Zähne von insgesamt drei Sauropodenspezies, die im Westen der USA und in Tansania gefunden worden waren – darunter der bis zu 23 Meter lange und 40 Tonnen schwere Brachiosaurus brancai. Ganz besonders interessierten sich die Wissenschaftler für den Gehalt des Zahnschmelzes an Karbonatmolekülen, die Kohlenstoff-13 und ein Atom von Sauerstoff-18 enthielten.

Zahn eines Brachiosaurus Ein Zahn von Brachiosaurus (Giraffatitan) brancai. Foto: Thomas Tütken, Universität Bonn

Diese seltenen Isotope sind etwas schwerer und damit reaktionsträger als die mit Abstand häufigsten Isotope Kohlenstoff-12 und Sauerstoff-16. Je höher die Temperatur ist, desto seltener finden die trägen Atomvarianten dauerhaft zusammen. In einer früheren Studie hatten die Forscher diesen Effekt bereits genutzt, um für längst ausgestorbene Mammuts die Temperatur im Kieferknochen und somit die Körpertemperatur zu schätzen. Anhand der Messungen an sieben besonders gut erhaltenen Dinosaurierzähnen konnten sie nun auch Werte für den massigen Brachiosaurus und den deutlich schlankeren Camarasaurus ermitteln. Die Unsicherheit schätzen sie auf 1 bis 2 Grad Celsius.

Die Frage, ob man die Dinosaurier als Kaltblüter oder aber – wie Säugetiere und Vögel – als Warmblüter ansehen müsse, sei weiterhin offen, betonen Eagle, Tütken und ihre Kollegen. Tatsächlich lägen die anhand des Zahnschmelzes ermittelten Werte sogar um bis zu 7 Grad unter jenen Werten, die ein Modell auf Basis der schieren wärmeproduzierenden Körpermasse vorhersage. Daher sei es sogar vorstellbar, dass erwachsene Sauropoden ihren Stoffwechsel drosseln mussten oder sogar auf besondere Kühlmechanismen angewiesen waren, um eine Überhitzung zu vermeiden.

Forschung: Robert A. Eagle und John M. Eiler, Division of Geological and Planetary Sciences, California Institute of Technology, Pasadena; Thomas Tütken, Steinmann-Institut für Geologie, Mineralogie und Paläontologie, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn; und andere; Veröffentlichung in „Science“, 23.6.2011, DOI 10.1126/science.1206196; PNAS, Vol. 107(23), pp 10377-82, DOI 10.1073/pnas.0911115107

Weiter im Web:
Geological and Planetary Sciences, Caltech
Hot-blooded or Cold-blooded?

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