Kentosaurus: Verteidigung mit schnellen Schlägen

Entgegen bisheriger Annahmen konnte sich der Kentrosaurus mit seinem Stachelschwanz gut verteidigen. Berechnungen ergaben, dass der Saurier peitschenartige Schläge austeilen konnte, die Geschwindigkeiten von mindestens 70 km/Stunde erreichten.

Kentrosaurus. Bild: Andreas Meyer /Fotolia

Bisher wurde angenommen, dass der Schwanz des Kentrosaurus nicht beweglich genug zur Verteidigung war. Zwei neue Studien am Museum für Naturkunde Berlin widerlegen jetzt diese These. Dazu wurden hochauflösende Laser-Scans der einzelnen Knochen jenes Kentrosaurus aethiopicus angefertigt, der im Berliner Museum steht. In einer CAD Software wurden die Knochen zu einem digitalen Skelett montiert und die Beweglichkeit eines jeden Gelenks einzeln gemessen. Mit einer Physik-Software wurde ausgerechnet, wie schnell der Saurier mit seinem Schwanz schlagen konnte.

Das in Berlin ausgestellte Skelett wurde in Tansania am Berg Tendaguru gefunden. Obwohl er einen mit abschreckenden Stacheln bewehrten Schwanz hatte, argumentierten vor 100 Jahren die Leiter der Berliner Ausgrabungskampagne, Werner Janensch und Edwin Hennig, in ihren wissenschaftlichen Schriften, dass der Schwanz nicht beweglich genug gewesen sei, um sich eines Angreifers zu erwehren.

Stegosaurus. Bild: Michael Rosskothen /Fotolia

Der Kentrosaurus ist mit dem bekannteren Stegosaurus verwandt, dessen fossile Spuren in Amerika gefunden wurden. Dessen amerikanische Erforscher hatten den Schwanz deutlich mobiler interpretiert. Als US-Wissenschaftler zu Lebzeiten abgebrochene Schwanzstacheln fanden und einen Raubsaurierwirbel, der mit einen Stachel zertrümmert worden war, stand fest: Stegosaurier verteidigten sich mit dem Schwanz gegen Angreifer. Die beiden neuen Studien am Museum für Naturkunde in Berlin lassen nun vermuten, dass der Schwanz von Kentrosaurus durchaus sehr beweglich und kräftig war und ebenfalls als Waffe gedient haben kann.

„Je nachdem, mit wie viel Muskulatur man den Schwanz rekonstruiert und welches Bewegungsmuster man annimmt, kommt eine breite Spanne an möglichen Geschwindigkeiten heraus“, sagt Heinrich Mallison, Wissenschaftler am Museum für Naturkunde. „Aber selbst bei vorsichtig gewählten Werten sind es schnell 70 km/h, und das über einen Winkel von fast 90 Grad. Wie Krokodile oder auch Warane und andere Reptilien heute benutzte der Dinosaurier aus Afrika vermutlich eine Peitschenbewegung. Damit lassen sich schnell sehr hohe Geschwindigkeiten erzeugen. Kentrosaurus konnte mindestens so viel Kraft aufbringen wie nötig gewesen wäre, um einem Menschen mehrere Rippen zu brechen – wenn es denn schon Menschen gegeben hätte.“

Gut gezielte Volltreffer brachten wohl ein Vielfaches an Kraft auf, und konnten die Stachelspitzen tief in den Körper eines Angreifers treiben. Nur aus dem Hinterhalt oder zu mehreren hatten Raubsaurier eine Chance gegen einen Stegosaurus, folgert der Paläontologe Mallison.

Forschung: Heinrich Mallison, Museum für Naturkunde; Veröffentlichungen in „Swiss Journal of Geosciences“ 103:211-233; doi:10.1007/s00015-010-0024-2; und Palaeontologia Electronica 14.2.10A.

Weiter im Web:
Beitrag in Palaeontologia Electronica
Museum für Naturkunde Berlin

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Stegosaurier: Knochenplatten ohne Funktion

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