Großes Fressen am Dinosaurier-Ei

Schon in der Kreidezeit war Eidotter eine willkommene Nahrungsquelle. Das zeigen beinahe fingerdicke Insektenkokons, die argentinische Forscher im fossilen Gelege eines großen Dinosauriers gefunden haben. Die Puppenhüllen stammen vermutlich von Wespen, die von einem zerbrochenen Ei angelockte Gliederfüßer als Brutstätte für ihren eigenen Nachwuchs nutzten.

Foto: Jorge Genise

In Nahrungsnetzen an und in Kadavern ständen solche Wespen heute auf der obersten Stufe, erläutern Jorge Genise vom Argentinischen Naturwissenschaftlichen Museum in Buenos Aires und seine Kollegin Laura Sarzetti. „Ihre Anwesenheit lässt daher vermuten, dass sich im Umfeld verwesender Dinosauriereier eine komplexe Gemeinschaft von Wirbellosen entwickelte“, folgern die beiden Forscher.

Genise und Sarzetti studierten ein etwa 70 Millionen Jahre altes Gelege, das bereits Ende der 80er-Jahre in Patagonien entdeckt und in der Folge in einem Museum ausgestellt worden war. Die fünf Eier mit einem Durchmesser von etwa 20 Zentimetern stammen vermutlich von einem langhalsigen Sauropoden aus der Gruppe der Titanosaurier. Nachdem die beiden Forscher andernorts auf fossile Puppenhüllen gestoßen waren, nahmen sie die Eier im Jahr 2007 erneut unter die Lupe – und wurden fündig.

Eines der Eier mit stark zerbrochener Schale enthält demnach nicht weniger als acht mutmaßliche Kokons, berichtet das Forscherduo im Fachblatt „Palaeontology“. Die wurstförmigen Fossilien sind bis zu drei Zentimeter lang und etwa einen Zentimeter dick. Jedes besitzt eine dünne Hülle mit einem feinen spiralförmigen Furchenmuster, das sich gut von der Struktur des Sandsteins abgrenzt. In den anderen Eiern oder im umgebenden Gestein finden sich dagegen keine solchen Objekte.

Form und Bau der Fossilien entsprächen gut den Puppenhüllen heutiger Wegwespen und Grabwespen, schreiben Genise und Sarzetti. Die Vertreter dieser Wespenfamilien betätigen sich als Parasitoide, die ihre Eier in oder auf anderen Insekten und Spinnen als lebendem Futtervorrat ablegen. Vermutlich habe das zerbrochene Ei mit seinem nahrhaften Inhalt also nicht nur direkte Nutznießer angelockt, so die beiden Forscher, sondern auch deren Räuber und Parasitoide.

Forschung: Jorge F. Genise, CONICET-División Icnología, Museo Argentino de Ciencias Naturales, Buenos Aires, und Laura C. Sarzetti, CONICET-Museo Paleontológico „Egidio Feruglio“, Trelew; veröffentlicht in „Palaeontology“, Vol. 54, pp 815-23, DOI 10.1111/j.1475-4983.2011.01064.x

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Museo Paleontológico „Egidio Feruglio“
Dinosaur Eggs
Parasitoide