Hochtourige Dinosaurier

Lange Zeit als behäbige Echsen angesehen, könnten die Dinosaurier durchaus zu körperlichen Höchstleistungen fähig gewesen sein. Neue Belege für diese Sichtweise haben australische, kanadische und deutsche Forscher gefunden. Gemessen an den Öffnungen, durch die das Knochengewebe mit Blut versorgt wurde, könnten die urzeitlichen Reptilien ihren Stoffwechsel bei Bedarf ähnlich stark beschleunigt haben wie heutige Säugetiere.

Giganotosaurus Giganotosaurus. Bild: Michael Rosskothen /Fotolia

„Diese Daten tragen zu den immer zahlreicher werdenden Hinweisen bei, denen zufolge manche Dinosaurier hochaktive Tiere mit hohen aeroben Stoffwechselraten waren“, folgern die Forscher um Roger Seymour von der Universität Adelaide und Daniela Schwarz-Wings vom Berliner Museum für Naturkunde. Die Frage nach der Warmblütigkeit der Dinosaurier lasse sich anhand der neuen Resultate aber nicht beantworten, schreibt die Gruppe in den „Proceedings of the Royal Society“.

Seymour, Schwarz-Wings und Kollegen vermaßen die Oberschenkelknochen von 59 Säugetieren, 40 heute lebenden Reptilien und von zehn Dinosauriern – darunter auch ein mehrere Tonnen schwerer Brachiosaurier. Besonders interessierten sie sich für eine Öffnung im Knochenschaft, die als Foramen nutricium bezeichnet wird. Durch diese Öffnung tritt eine Arterie in den Röhrenknochen ein und versorgt das anspruchsvolle Knochengewebe mit Nährstoffen und Sauerstoff.

Aus der Weite der Öffnung und der Länge des Knochens berechneten die Forscher einen Indikator für den Blutstrom durch die Knochenarterie, der gut mit der gemessenen maximalen Stoffwechselrate heutiger Tiere korrelierte. Die Werte für Säugetiere lagen durchweg um ein Vielfaches über denen moderner Reptilien ähnlicher Körpermasse – ausgenommen die leistungsfähigen Warane. Die Werte für Dinosaurier lagen sogar nochmals über denen der Säuger.

Die untersuchten Knochen stammten überwiegend von ausgewachsenen Tieren, so die Forschergruppe. Statt hoher Wachstumsraten dürften die weiten Eintrittsöffnungen bei den Dinosauriern daher am ehesten hohe mechanische Belastungen und den resultierenden hohen Nährstoffbedarf der Knochenzellen widerspiegeln. Sollten weitere Untersuchungen diese Schlussfolgerung bestätigen, könnten die unscheinbaren Öffnungen im Knochen neue Einblicke in das Treiben auf der urzeitlichen Erde ermöglichen.

Forschung: Roger S. Seymour und Sarah L. Smith, Ecology and Evolutionary Biology, University of Adelaide, Adelaide; Daniela Schwarz-Wings, Museum für Naturkunde, Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung an der Humboldt Universität zu Berlin; und andere
Veröffentlichung Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences, DOI 10.1098/rspb.2011.0968

Weiter im Web:
Ecology and Evolutionary Biology, University of Adelaide
Museum für Naturkunde, Berlin
Röhrenknochen