Federevolution in Bernstein

Auf ein Familienalbum der Federevolution sind kanadische Forscher gestoßen. In mehr als 70 Millionen Jahre altem Bernstein fanden sie Federn in den unterschiedlichsten Evolutionsstadien – von haarförmigen Filamenten bis hin zu modern anmutenden, komplizierten Gebilden. Neben der Struktur der kreidezeitlichen Federn ist auch ihre Pigmentierung in allen Einzelheiten erhalten.

Foto: Science/AAAS

Die einfachen Protofedern dürften am ehesten von kleinen Dinosauriern außerhalb der Entwicklungslinie der Vögel stammen, schreiben die Forscher um Alexander Wolfe von der University of Alberta im Magazin „Science“. Insgesamt zeigten die neuen Funde, dass die Feder schon gegen Ende der Kreidezeit, noch vor dem Verschwinden der großen Dinosaurier, ein hochspezialisiertes Gebilde mit verschiedensten Funktionen gewesen sei.

Wolfe und Kollegen fanden die uralten Federfragmente in Bernstein aus Kohleflözen, die im Süden der kanadischen Provinz Alberta zutage treten. Bei der Begutachtung von mehreren Tausend Bernsteinstücken entdeckten die Forscher unter anderem dicht an dicht stehende, wenige Millimeter lange Filamente, die zu dünn für Säugerhaare sind und auch nicht die typische Schuppenstruktur aufweisen. Andere Einschlüsse sind an Daunen erinnernde Büschel von Filamenten, entsprechend der nächsthöheren Stufe der Federevolution. Wieder andere Einschlüsse weisen einen zentralen Schaft auf, von dem die Filamente wie Äste abzweigen, und schließlich fanden sich sogar Exemplare, bei denen die Federäste über winzige Strahlen an ihre Nachbarn gekoppelt sind.

Fotos: Science/AAAS

Einige dieser alten Federn erinnern stark an die Konturfedern moderner Vögel, berichten die Forscher. Andere weisen dagegen korkenzieherartig verdrehte Federäste auf, die sich mit Wasser vollsaugen können und typisch sind für heutige Tauchvögel. Gemessen an ihrer dichten Anordnung, dürften selbst die urtümlichsten Federfilamente kein bloßer Schmuck gewesen sein, sind Wolfe und Kollegen überzeugt. Möglicherweise hätten diese Federn als Wärmeisolierung oder als mechanischer Schutz gedient.

Forschung: Ryan C. McKellar, Brian D. E. Chatterton, Alexander P. Wolfe und Philip J. Currie, Department of Earth and Atmospheric Sciences und Department of Biological Sciences, University of Alberta, Edmonton; veröffentlicht in „Science“, Vol. 333, 16. September 2011, pp 1619-22, DOI 10.1126/science.1203344

Weiter im Web:
The Wolfe Lab, University of Alberta
Das Gefieder der Vögel
Feather Evolution