T. rex legt zu

Einer der größten Fleischfresser der Erdgeschichte, Tyrannosaurus rex, war möglicherweise noch etwas größer als ohnehin angenommen. Diesen Schluss legen neue Computermodelle britischer und amerikanischer Forscher nahe. Ein besonders stattliches Exemplar mit dem Spitznamen Sue könnte es demnach auf eine Masse von 9,5 Tonnen gebracht haben – fast ein Drittel mehr als frühere Schätzwerte.

Grafik: Hutchinson JR, Bates KT, Molnar J, Allen V, Makovicky PJ (2011). PLoS ONE 6(10)

Damit nicht genug, dürften die zweibeinigen Riesen zu Spitzenzeiten doppelt so schnell an Masse zugelegt haben wie bislang vermutet, erklärt John Hutchinson vom Royal Veterinary College im englischen Hatfield. „Wir schätzen, dass sie in der jugendlichen Wachstumsphase bis zu 1,8 Tonnen in einem Jahr zulegten“, so der Forscher. Da ihre Beine nicht mit dem rasanten Rumpfwachstum mitgehalten hätten, dürften heranwachsende Tyrannosaurier allerdings an Geschwindigkeit und Wendigkeit eingebüßt haben.

Tyrannosaurus rex verschwand vor 65 Millionen Jahren zusammen mit den anderen großen Dinosauriern von der Bühne der Evolution. Als einziges Zeugnis der Körpergröße sind die fossilen Knochen erhalten. Um anhand des Skeletts auf die Körpermasse zu schließen, waren frühere Studien typischerweise von Modellen im verkleinerten Maßstab ausgegangen. Hutchinson und Kollegen nutzten dagegen Licht- und Röntgenscanner, um dreidimensionale Computermodelle des Skeletts von vier ausgewachsenen und einem jungen Individuum in Originalgröße zu erzeugen. Diese digitalen Modelle bestückten sie dann mit Muskeln und Haut, wobei sie sich an den Verhältnissen bei Vögeln und Krokodilen orientierten und zudem den Ernährungszustand variierten.

Grafik: Hutchinson JR, Bates KT, Molnar J, Allen V, Makovicky PJ (2011). PLoS ONE 6(10)

Erwachsene Tyrannosaurus rex dürften demnach es auf eine Masse von sechs bis acht Tonnen gebracht haben, berichten die Forscher im Fachblatt „PLoS ONE“. Für die 13 Meter lange Sue kommen sie sogar auf mehr als neun Tonnen – bei einem mäßig guten Ernährungszustand. „Wir wussten, dass sie groß ist, aber mit einer Gewichtszunahme um 30 Prozent hatten wir nicht gerechnet“, so Hutchinsons Kollege Peter Makovicky vom Field Museum in Chicago.

Bei aller Größe dürften die Zweibeiner im Laufe der Zeit nicht nur vorderlastig geworden sein, sondern auch langsamer und weniger wendig. „Unsere Studie bekräftigt die unter Wissenschaftlern verbreitete Ansicht, dass große Tyrannosaurier Spitzengeschwindigkeiten von 17 bis 40 Kilometern pro Stunde erreichten“, so Hutchinson. „Der T. rex war also keinesfalls das schnellste unter den Landtieren.“

Forschung: John R. Hutchinson, Department of Veterinary Basic Sciences, Royal Veterinary College, Hatfield; Karl T. Bates, Department of Musculoskeletal Biology, University of Liverpool; Peter J. Makovicky, Department of Geology, Field Museum of Natural History, Chicago; und andere; veröffentlicht in „PLoS ONE“, Vol. 6(10), e26037, DOI 10.1371/journal.pone.0026037

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PLoS-Artikel online
Royal Veterinary College
Field Museum of Natural History
Sue Goes Virtual
Tyrannosauridae
Theropod Biomechanics – It’s Not Easy Being Big