Wal-Fossil in Steinblock entdeckt

Spuren eines urzeitlichen Dramas haben zwei italienische und amerikanische Forscher gefunden. Das von ihnen untersuchte Fossil stammt von einem Wal, der vor rund 40 Millionen Jahren gestorben ist. Nach den Bissspuren an seinen Rippen zu urteilen, wurde dieser kurz zuvor von einem großen Hai attackiert.

Foto: G. Bianucci und P. D. Gingerich

Nicht minder bemerkenswert sei die Entdeckungsgeschichte des Fossils, erklärt Giovanni Bianucci von der Universität Pisa. Der Wal in seinem Gesteinsblock sei aus einem großen Kalksteinbruch in Ägypten nach Italien gebracht und dort zu Fassadenplatten zersägt worden. Wäre er dabei nicht einem aufmerksamen Arbeiter aufgefallen, würde er heute wohl irgendein Gebäude zieren.

Bianucci und sein Kollege Philip Gingerich von der University of Michigan untersuchten das Fossil, bestehend aus Schädel und Brustkorb eines frühen Wals, nachdem es ins Museum gebracht worden war. Da der kostbare Fund bereits in knapp drei Zentimeter starke Platten zersägt worden war, konnten die beiden Forscher die versteinerten Knochenscheiben weitgehend vom umgebenden Kalkstein befreien und auch in das Innere des uralten Schädels blicken.

Das Fossil des Urwals stammt aus dem Steinbruch Khashm el-Raqaba nördlich des ägyptischen Wadi Tarfa. Foto: P. D. Gingerich

Bianucci und Gingerich ordnen das Fossil einer neuen Spezies zu, für die sie nach dem ursprünglichen Fundort in der Nähe des Wadi Tarfa den Namen Aegyptocetus tarfa vorschlagen. An dem urzeitlichen Wal lässt sich die Evolution der Tiere von landlebenden Paarhufern zu reinen Wasserbewohnern im Detail nachvollziehen, berichtet das Duo im „Journal of Vertebrate Paleontology“. So dürfte der Urwal einerseits noch einen guten Geruchssinn besessen haben, andererseits aber schon das typische Gehör moderner Wale. Zudem sei er wohl immer noch in der Lage gewesen, nach Art heutiger Robben das Wasser zu verlassen.

Darüber hinaus ermöglicht der Urwal mit seinen Bissmarken direkte Einblicke in das Nahrungsnetz im Zeitalter des Eozän. „Zeugnisse einer Verhaltensinteraktion sind im Fossilbericht ohnehin selten“, so Bianucci, „aber hier haben wir gleich Belege für den Angriff eines Hais auf einen frühen, halbaquatischen Wal.“ Damit nicht genug, stammten kleinere Eindrücke auf den Knochen wahrscheinlich von Seepocken, die sich auf dem Skelett des Wals angesiedelt hätten, bis dieses endgültig unter Sediment begraben worden sei.

Forschung: Giovanni Bianucci, Dipartimento di Scienze della Terra, Università di Pisa, und Philip D. Gingerich, Museum of Paleontology und Department of Earth and Environmental Sciences, University of Michigan, Ann Arbor; veröffentlicht im „Journal of Vertebrate Paleontology“ Vol. 31(6) (im Erscheinen)

Weiter im Web:
Dipartimento di Scienze della Terra, Uni Pisa
Philip Gingerich, University of Michigan
Cetacea
The Origin of Whales and the Power of Independent Evidence