Nutzte frühes Huftier schon Sonar?

Vor ungefähr 50 Millionen Jahren entdeckten mehrere Gruppen von Säugetieren die Vorzüge der Schallortung für sich. Dazu gehörten vielleicht auch die Huftiere, haben französische und belgische Forscherinnen entdeckt. Bei der Untersuchung eines wieselgroßen „Ur-Huftiers“ fanden sie eine Gehirnstruktur, wie sie typisch für heutige Fledermäuse und andere Echoorter ist.

Schädel eines frühen Huftieres Grafik: Orliac MJ, Argot C, Gilissen E (2012), PLoS ONE 7(2): e30000 (Creative Commons Attribution 2.5 Generic)

Der noch mit Klauen bewehrte Hyopsodus sei lange Zeit für einen Baumbewohner gehalten worden, schreibt das Trio um Maeva Orliac von Universität Montpellier 2 im Fachblatt „PLoS ONE“. Insgesamt entspreche sein Skelett jedoch eher dem eines am Boden lebenden Tieres, das nur nachts aus seinem Bau komme und in der dichten Vegetation nach Fressbarem stöbere. Die Hinweise auf Echoortung ständen im Einklang mit einer solchen Lebensweise, so die Forscherinnen.

Orliac und Kolleginnen nutzten einen hochauflösenden Computertomografen, um den versteinerten Schädel eines Hyopsodus lepidus zu durchleuchten. Die Art lebte vor etwa 50 bis 46 Millionen Jahren und damit zu einer Zeit, als die Säugetiere viele Spezialisierungen hervorbrachten. Sie wird zu den Stammhuftieren (Condylarthra) gerechnet. Von dieser vergleichsweise urtümlichen Säugergruppe ist allerdings noch unklar, ob sie tatsächlich die Ahnen oder doch eher eine frühe Schwesterlinie von Pferden, Seekühen, Kamelen, Schweinen, Rindern und Walen bildet.

Anhand ihrer CT-Daten berechneten die Forscherinnen einen virtuellen Schädelausguss, der das gut drei Zentimeter lange Gehirn von Hyopsodus lepidus erstmals vollständig zeigt. Neben großen Riechkolben besaßen die Tiere demnach ein unerwartet voluminöses Großhirn, während das Kleinhirn im Vergleich mit anderen Stammhuftieren bescheiden ausfällt.

Zwischen Groß- und Kleinhirn zeigt der Ausguss das Mittelhirn mit zwei Paaren von Höckern. Das hintere Höckerpaar ist sehr kräftig entwickelt – ähnlich wie bei Fledermäusen, Spitzmäusen und madagassischen Tenreks. Alle diese Tiere stoßen hochfrequente Töne aus und nutzen die Echos, um Beute zu orten oder Hindernisse zu erkennen. Dabei wird die Echo-Information zu einem großen Teil schon im Mittelhirn verarbeitet, noch bevor sie die eigentliche Hörrinde des Großhirns erreicht.

Forschung: Maeva J. Orliac, UMR 5554, Institut des Sciences de l’Evolution Montpellier, Université Montpellier 2; Christine Argot, Centre de Recherche sur la Paléobiodiversité et les Paléoenvironnements, Muséum National d’Histoire Naturelle, Paris; Emmanuel Gilissen, Musée royal de l’Afrique centrale, Brüssel; veröffentlicht in „PLoS ONE“, Vol. 7(2), e30000, DOI10.1371/journal.pone.0030000

Weiter im Web:
Institut des Sciences de l’Evolution Montpellier
CRPP, Museúm National d’Histoire Naturelle
Hyopsodus
Animal Echolocation

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