Microraptor trug schillerndes Federkleid

Microraptor in der Rekonstruktion Der Microraptor, ein gefiederter Raubsaurier der Kreidezeit, war von eher unscheinbarer Gestalt. Gerade mal so groß wie eine Taube trug er ein schlichtes schwarzes Federkleid. Unter Lichteinfall konnte dieses aber bläulich schillern, sagen US-amerikanische und chinesische Forscher. Sie identifizierten fossile Federn, die den Microraptor mit heute lebenden Vögeln vergleichbar machen.

Rekonstruktion des Microraptors. Bild: Jason Brougham/UT-Austin

Bei vielen modernen Vögeln mit dunklem Federkleid sorgen irisierende Effekte dafür, dass das Gefieder in den Farben des Regenbogens schimmern kann. Der Eindruck wird durch Melanin in den Federn erzeugt, welches spezielle Zellorganellen, die so genannten Melanosomen produzieren.

Schwanzfeder des untersuchten Microraptor-Fossils. Foto: Mick Ellison/AMNH Schwanzfeder des Microraptor-Fossils

Melanosome haben Forscher jetzt auch an mehreren Stellen der gut erhaltenen Federstrukturen eines Microraptor-Fossils nachweisen können. Im Magazin „Science“ schreiben sie, das Federkleid des 120 Millionen Jahre alten Dinosauriers entspreche in seiner Erscheinung dem moderner Krähen und habe vermutlich bläulich schillern können. Entsprechende irisierende Strukturen könnten bei allen Paraves (-> Wikipedia) vorgekommen und damit schon vor 140 Millionen Jahren aufgetreten sein.

Seit seiner Entdeckung im Jahr 2003 galt der vierflügelige Microraptor unter Paläontologen als ein wichtiges Fossil, um neben der Entstehung von Federn auch den Vogelflug zu verstehen. Doch dafür liefert der Microraptor wohl kaum Hinweise, schränken die Forscher ein.

Die zwei Schwanzfedern des Sauriers etwa konnten über zehn Zentimeter lang werden, hatten aber neben ihrer schmückenden Rolle keine aerodynamische Funktion. Zwar ist nicht ausgeschlossen, dass der kleine Raubsaurier dank seiner Flügel zumindest gleiten konnte. Wahrscheinlicher aber ist, dass die Federn ausschließlich sozialen Aspekten, darunter der Balz gedient haben.

Zeichnerische Konstruktion des Microraptors
Bild: Science/UT-Austin

Forschung: Julia Clarke, University of Texas at Austin; Matt Shawkey, University of Akron; Mark Norell, American Museum of Natural History (AMNH); Quango Li, Beijing Museum of Natural History, Peking, u.a.; in „Science“, 9.3.2012, Vol. 335 No. 6073. pp. 1215-1219, DOI: 10.1126/science.1213780

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Abstract in Science
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