Pliosaurus litt unter Arthrose

Auch die großen Meeresräuber des Erdmittelalters wurden von ganz gewöhnlichen Leiden heimgesucht. Entsprechende Belege hat eine englische Forscherin am Fossil eines Pliosauriers entdeckt. Das Gelenk des beinahe 2 Meter langen Kiefers ist derart von Arthrose gezeichnet, dass das Tier einen schmerzhaften schiefen Biss gehabt haben muss.

Judyth Sassoon von der Universität Bristol am Fossil des Pliosaurus Foto: Simon Powell

Auch mit dieser Beeinträchtigung habe der schätzungsweise 8 Meter lange Pliosaurier noch längere Zeit Beute machen können, erklärt Judyth Sassoon von der Universität Bristol. „Ein nicht verheilter Bruch zeigt jedoch, dass der Kieferknochen allmählich an Stabilität einbüßte und schließlich versagte.“ In Ermangelung von Fressfeinden sei der große Räuber damit wohl zum Hungertod verurteilt gewesen.

Das von Sassoon studierte Fossil war bereits in den 90er-Jahren nahe der englischen Stadt Westbury entdeckt worden. Es ist gut 150 Millionen Jahre alt und stammt von einem ausgewachsenen, vermutlich weiblichen Vertreter der Gattung Pliosaurus. Mit einem stromlinienförmigen Körper, den zu kräftigen Flossen umgestalteten Gliedmaßen und einer langen Krokodilschnauze hervorragend an die Jagd unter Wasser angepasst, machten diese Reptilien die Meere der Jurazeit unsicher.

Größenvergleich eines Pliosaurus mit Hai und Mensch Größenvergleich: Pliosaurus, Weißer Hai, Mensch. Grafik: School of Earth Sciences, University of Bristol

Bei der eingehenden Untersuchung des Unterkiefers fand die Forscherin, dass die Gelenkfläche des linken Gelenkbeins stark erodiert war. Als Folge wurde der Kiefer so stark seitlich verlagert, dass sich das Tier immer wieder selbst biss, berichten Sassoon und zwei Kollegen im Fachblatt „Palaeontology“. Die deutlichen Eindrücke der Oberkieferzähne im Unterkiefer belegten aber auch, dass der von Arthrose geplagte Meeresräuber noch einige Jahre lang habe jagen und fressen können.

Forschung: Judyth Sassoon und Michael J. Benton, Department of Earth Sciences, University of Bristol; Leslie F. Noè, CASP, Cambridge. Veröffentlichung in „Palaeontology“ (im Erscheinen)

Weiter im Web:
Palaeobiology and Biodiversity Research Group, University of Bristol
Something About Pliosaurs
Jurassic Coast