Tintenfischtinte nach uraltem Rezept

Seit mehr als 160 Millionen Jahren spritzen verschreckte Tintenfische die gleiche Tinte ins Wasser. Zu diesem Schluss kommt eine internationale Forschergruppe nach der Untersuchung zweier Fossilien. In den versteinerten Tintenbeuteln urzeitlicher Kopffüßer fand sich das gleiche dunkle Pigment wie bei heutigen Exemplaren.

Foto: British Geological Survey

In seiner Struktur unterscheidet sich das fossile Melaninpigment nicht erkennbar von der modernen Version, berichten die Forscher um John Simon von der Universität des US-Bundesstaats Virginia in den „Proceedings of the National Academy of Sciences“. Offenbar erfülle dieses Pigment seinen Zweck so gut, dass die Evolution zwischenzeitlich keine bessere Lösung hervorgebracht habe.

Die beiden Fossilien stammen aus Sediment, das vor rund 162 bzw. 195 Millionen Jahren in urzeitlichen Meeren abgelagert wurde und heute in versteinerter Form im Südwesten Englands zutage liegt. In Brocken dieses Sedimentgesteins fand Phillip Wilby vom Britischen Geologischen Dienst Abdrücke von Kopffüßern und darin wiederum längliche, beinahe pechschwarze Gebilde – fossile Tintenbeutel mit mutmaßlich gut erhaltenem Inhalt.

Chemische Analysen bestätigten diese Vermutung, berichten die Forscher. Bei der Behandlung kleiner Gesteinsproben mit Wasserstoffperoxid wurden die gleichen organischen Indolbausteine freigesetzt wie bei der Behandlung von moderner, durch Eumelanin gefärbter Sepiatinte. Weitere Tests mit einem Arsenal spektroskopischer Methoden wiesen ebenfalls auf Eumelanin als Hauptbestandteil der fossilen Tinte hin.

Zahlreiche Tiergruppen nutzen das braun-schwarze Pigment Eumelanin. Zusammen mit dem chemisch deutlich unterschiedlichen Phäomelanin ist es etwa beim Menschen für die Tönung von Haut und Haaren verantwortlich. Das Molekül ist ein robustes Polymer aus ringförmigen Bausteinen, die auch von Bakterien nicht ohne Weiteres verwertet werden können. Dieser Stabilität verdanke wohl auch die urzeitliche Tinte ihren guten Erhaltungszustand, erläutert Simons: „Von allen organischen Pigmenten der belebten Welt hat Melanin die besten Chancen, im Fossilbericht überliefert zu werden.“

Forschung: Keely Glass und John D. Simon, Department of Chemistry, Duke University, Durham, und Department of Chemistry, University of Virginia, Charlottesville; Shosuke Ito und Kazumasa Wakamatsu, Department of Chemistry, Fujita Health University, Toyoake; Philip R. Wilby, British Geological Survey, Nottingham; u.a.; veröffentlicht in den „Proceedings of the National Academy of Sciences“, DOI 10.1073/pnas.1118448109

Weiter im Web:
John Simon, University of Virginia
British Geological Survey
Melanin, Melanocytes and Melanosomes

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