Angriff in Bernstein

Amerikanische Forscher haben ein Stück Bernstein gefunden, in dem der Angriff einer Spinne auf ihre Beute gleichsam eingefroren ist. Das Fossil mit Seltenheitswert ist rund 100 Millionen Jahre alt und zeigt eine junge Spinne, die sich gerade anschickt, eine im Netz gefangene Wespe zu packen.

Eine Spinne und ihre Beute in Bernstein Foto: George Poinar jr., courtesy of Oregon State University

„Diese Jungspinne war drauf und dran, die winzige parasitische Wespe zu verspeisen“, erklärt George Poinar jr. von der Oregon State University, „letztlich sollte ihr das aber nicht gelingen.“ Ein Tropfen Baumharz schloss Räuber und Beute unmittelbar vor dem Kontakt ein und konservierte beide in allen Details, berichten Poinar und sein Kollege Ron Buckley im Fachblatt „Historical Biology“.

Das von Poinar und Buckley untersuchte Bernsteinstück stammt aus einem Flusstal im südostasiatischen Myanmar (Birma). Es besteht aus Harz, das aus einem Baum ausgetreten und bald ausgehärtet war – mitsamt aller zwischenzeitlich eingeschlossenen Organismen und sonstigen Partikel. In diesem Fall zählen dazu eine junge Seidenspinne (Nephilidae) und eine winzige Wespe (Platygastridae), beide zu bislang unbeschriebenen Gattungen gehörend, sowie mehrere Fäden aus Spinnenseide.

Laut den Forschern ist kein anderes Stück Bernstein bekannt, das eine ähnliche Begegnung von Spinne und Beutetier zeigt. Damit nicht genug, liefere das nun untersuchte Exemplar auch Hinweise auf das Sozialleben der längst ausgestorbenen Spinne: Neben der kleinen Angreiferin enthält der Bernstein noch einen größeren Artgenossen. Anders als die meisten ihrer heutigen Verwandten könnte die kreidezeitliche Netzbauerin also gesellig gelebt haben, folgern Poinar und Buckley.

Forschung: George Poinar jr., Department of Zoology, Oregon State University, Corvallis, und Ron Buckley, Florence; veröffentlicht in „Historical Biology“, Vol. 24(5), pp 519–25, DOI 10.1080/08912963.2011.640399

Weiter im Web:
Zoology, Oregon State University
The World of Amber

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