Ältester Fischsaurier geborgen

Einen riesigen fossilen Meeresräuber hat eine internationale Gruppe von Forschern in Nevada in den USA geborgen. Der Ichthyosaurier ist 8,60 Meter lang und wohl der größte Meeresräuber seiner Zeit.

Das auf den Namen Thalattoarchon saurophagis getaufte Tier (zu deutsch „saurierfressender Meeresherrscher“) wird auf ein Alter von rund 244 Millionen Jahren geschätzt. Auffällig sind neben der Größe die ungewöhnlichen scharfen Reißzähne.

Das Fossil war bereits im Juli 1998 von einem Team unter Führung von Martin Sander vom Steinmann-Institut für Geologie, Mineralogie und Paläontologie der Universität Bonn entdeckt worden. Doch erst 2008 konnte mit Unterstützung der National Geographic Society die aufwändige Bergung erfolgen. Das Fossil wurde am Field Museum in Chicago aus dem Gestein freigelegt und befindet sich nun in der dortigen Sammlung. Die beteiligten Forscher haben den Ichthyosaurier in der Zeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS) vorgestellt.

fruehester_Fischsaurier Der Schädel des Fischsauriers. Foto: John Weinstein, The Field Museum, Chicago.

Erhalten sind der Schädel bis auf die verwitterte Schnauze, Teile der Flossen und die Wirbelsäule bis zur Schwanzspitze. „Die Fischechse war wohl der größte Meeresräuber seiner Zeit, der vor allem andere Ichthyosaurier jagte“, sagt Martin Sander. Dem Fossil vergleichbar ist nur der Himalayasaurus, der jedoch erst 20 Millionen Jahre später auftrat und deutlich schlechter erhalten ist. Damit ist der Neufund der geologisch älteste Beleg für ein von Landtieren abstammendes Meeresraubtier und der früheste Vertreter dieser Lebensweise.

Bei den Ichthyosauriern handelt es sich um Reptilien aus dem Erdmittelalter, die von Landwirbeltieren abstammen und sich an das Leben im Meer angepasst haben. Mit zahlreichen Arten dominierten sie 160 Millionen Jahre die Meere und ernährten sich weitgehend von Fischen, Tintenfischen und Muscheln. Nur Thalattoarchon saurophagis hatte eine Vorliebe für andere Ichthyosaurier.

Vor rund 252 Millionen Jahren kam es zu einer globalen Katastrophe, bei der ein Großteil des Lebens an Land und in den Ozeanen ausgelöscht wurde. Nur rund acht Millionen Jahre nach diesem Artensterben tauchte Thalattoarchon saurophagis auf und zeigt damit an, dass zu dieser frühen Zeit schon ein im Prinzip modernes Nahrungsnetz entstanden war. „Es ist überraschend, wie schnell sich die Lebewelt von der globalen Katastrophe erholt hat“, sagt Sander.

Das damalige Meeresökosystem ist nach den Erkenntnissen der Wissenschaftler bereits recht modern gewesen: Die Nahrungsnetze ähneln ganz erstaunlich den heutigen. Ganz oben in der Nahrungspyramide stand Thalattoarchon saurophagis, der auf die Jagd von Fischfressern spezialisiert war. Sander: „Die Rollenbesetzungen haben sich geändert. Die Funktion dieses Ichthyosauriers wird heute von Killerwalen übernommen – wie etwa dem Orka, der die gleiche Größe erreicht. Zur Zeit der Dinosaurier wurde die Rolle dagegen durch Paddelechsen und Mosasaurier gespielt.“ Die Fischechsen starben vor 93 Millionen Jahren aus.

Fruehester_Ichthyosaurus_Rekonstruktion
Rekonstruktion des Fischsauriers.
Zeichnung: Raul Martin, © 2013 National Geographic Magazine

Forschung: Martin Sander, Universität Bonn; Nadia B. Fröbisch, Jörg Fröbisch, Museum für Naturkunde Berlin; Lars Schmitz, W.M. Keck Science Department, Claremont McKenna, Pitzer, and Scripps Colleges, Claremont, USA; Olivier Rieppel, The Field Museum, Chicago, USA. „Macropredatory ichthyosaur form the Middle Triassic and the origin of modern trophic networks“, veröffentlicht in den „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS), Vol. 110 No. 4, pp 1393–1397, DOI: 10.1073/pnas.1216750110

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Abstract in PNAS
Steinmann-Institut für Geologie, Mineralogie und Paläontologie
The Field Museum, Chicago