Vegetarische Echse unter Säugern

Wer an große Pflanzenfresser denkt, sieht vielleicht Rinder, Schafe oder Elefanten vor dem geistigen Auge. Vor gut 37 Millionen Jahren mischte sich jedoch auch ein imposantes Reptil unter die weidenden Säuger, haben amerikanische Forscher entdeckt. Ein in Myanmar geborgenes Fossil stammt demnach von einer pflanzenfressenden Echse, die es an Körpermasse mit vielen Huftieren ihrer Zeit aufnehmen konnte.

unl-barbaturexmorrisoni-300x200 Foto: Craig Chandler/University of Nebraska–Lincoln

Bei einer Körperlänge von gut 1,80 Meter von der Schnauze bis zur Schwanzspitze dürfte es das Tier auf beinahe 30 Kilogramm gebracht haben, schätzen die Forscher um Jason Head von der University of Nebraska in Lincoln. Wahrscheinlich habe sich das wechselwarme Reptil dank des warmen Klimas jener Zeit gegen die gleichwarme Konkurrenz der Säugetiere behaupten können, schreibt die Gruppe in den „Proceedings of the Royal Society“.

Die von Head und Kollegen studierten Kiefer- und Schädelknochen waren bereits in den 70er-Jahren im südostasiatischen Myanmar entdeckt worden. Seitdem hatten sie im Museum gelagert. Bei ihrer Untersuchung fanden die Forscher nun, dass es sich um Fossilien eines großen, bislang nicht beschriebenen Leguanartigen handelt, der eng mit heutigen Dornschwanzagamen verwandt war. Zu Ehren des „Doors“-Sängers Jim Morrison auf den Namen Barbaturex morrisoni getauft, besaß das Tier die typischen Zähne einer auf pflanzliche Kost spezialisierten Echse.

unl-barbaturexmorrisoni2-300x200 Foto: Craig Chandler/University of Nebraska–Lincoln

Pflanzenfresser stellen heute die Minderheit unter den Echsen und sind vergleichsweise klein oder auf besondere Lebensräume wie Inseln bzw. Wüsten beschränkt. Als ein Grund dafür gilt ihre gegenüber Säugern ineffiziente Verdauung pflanzlicher Kost. Offenbar sei das Kräfteverhältnis im ausgehenden Paläogen etwas ausgeglichener gewesen, so Head und Kollegen.

Die höheren Durchschnittstemperaturen jener Zeit ermöglichten der Echse nicht nur eine bessere Futterverwertung, sondern bescherten ihr vielleicht auch ein üppigeres Angebot an nahrhaften Blüten, vermuten die Forscher. Dagegen sei die Anwesenheit großer fleischfressender Säuger wohl kein kritischer Faktor gewesen.

Forschung: Jason J. Head, Department of Earth and Atmospheric Sciences, University of Nebraska, Lincoln; Patricia A. Holroyd, Museum of Paleontology, University of California, Berkeley; Russell L. Ciochon, Department of Anthropology und Museum of Natural History, University of Iowa, Iowa City; und andere; Veröffentlichung in den „Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences“, DOI 10.1098/rspb.2013.0665

WWW:
Paleontology, University of Nebraska–Lincoln
Paläogen (Wikipedia)
Why are there no herbivorous snakes?

Wie hat Ihnen der Beitrag gefallen?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend (1 Bewertungen, im Schnitt 5,00 von 5)
Loading...