|
|
Moa-Erbgut entschlüsselt - Dem Stammbaum der Vögel auf der Spur
Britische und kanadische Forscher haben erstmals Erbgut zweier ausgestorbener Tiere entschlüsselt. Die Wissenschaftler analysierten zum einen die Mitochondrien-DNA des neuseeländischen Moa. Dieser flugunfähige Vogel gehörte zu den so genannten Flachbrustvögeln. Seit dem Pleistozän (Beginn vor etwa zwei Millionen Jahren) gab es rund ein Dutzend Moa-Arten von der Größe eines Huhns bis hin zu Exemplaren, die 3,5 Meter erreichten. Die letzten Tiere dieser Art wurden um 1800 von Eingeborenen auf Neuseeland ausgerottet. Neben dem Genom des neuseeländischen Moa wurde auch das Erbgut des ausgestorbenen Elefanten-Vogels (Aepyornis) analysiert, der etwa zeitgleich auf Madagaskar lebte. Entschlüsselt wurde jeweils die Mitochondrien-DNA. Die Mitochondrien sind die "Kraftwerke" der Zellen und besitzten eigenes Erbgut. Weil es sich nur sehr langsam verändert hat, kann man mit ihm weit in die Geschichte der Evolution zurückblicken. Die Genanalysen, für die jeweils rund 17.000 Basenpaare untersucht werden mussten, sind in doppelter Hinsicht interessant. Zum einen klären sie die Verwandtschafts- verhältnisse des Moa zu den noch lebenden Flachbrustvögeln Kiwi und Emu. Die Forscher entdeckten, dass der Kiwi dem Moa nicht so nahe steht, wie bisher angenommen wurde. Wesentlich enger ist er offenbar mit dem australischen Emu verwandt. Darüber hinaus sehen die Forscher in der Mitochondrien-DNA eine Chance, den Stammbaum der Vögel insgesamt genauer zu bestimmen. Elefantenvogel und Moa gehören gemeinsam zu den so genannten Ratiten, also zur Ordnung Struthiornithiformes. Vögel dieser Ordnung sind seit der Kreidezeit bekannt und entwickelten auf allen Kontinenten unterschiedliche Typen. Wenn man in das Mitochondrien-Erbgut schaut - so hoffen jedenfalls die Forscher - kann man die Entwicklung der Vögel 140 bis 180 Millionen Jahre weit zurückverfolgen. Die Urahne von Moa, Emu und Kiwi lebten damals noch auf dem Urkontinent Gondwana.Einen Haken hat die Sache allerdings: In Fossilien sind die Körperzellen nur selten gut genug erhalten, um Gen-Analysen überhaupt zuzulassen. Die Entschlüsselung beim Moa gelang nur, weil sich seine Knochen in kühlen Kalksteinhöhlen erhalten haben. Weil nur wenig Wasser einsickerte, blieb das Erbgut nahezu unbeschädigt. Die Forscher können nur hoffen, eines Tages ähnlich gute Funde zu machen, die weitere Vergleiche zulassen. Foto oben: ein großer Moa (rechts) neben dem kleinen Kiwi (links) zurück |
8.2.2001 Quelle: inScight /Oxford University, 8.2.01 Forschung: Alan Cooper, Oxford University, in Nature 8.2.01; Allan Baker, Oliver Haddrath, Royal Ontario Museum, Toronto, in Proceedings of the Royal Society Surftipps: Mehr zum Moa gibt es unter anderem auf den "Moa-Pages" Werbung
|
|
© 2008 Stefan Jacobasch, Berlin Impressum + + + Mehr Wissenschaft: Scienceticker.info
+ + + Messen 2008
|