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Brachte die Brutpflege den Vögeln das Fliegen bei?

Über die Urahnen der Vögel ist schon viel gerätselt worden. Allgemein geht man davon aus, dass sich die ersten Vögel während der Jura aus den Reptilien entwickelten. Aber was trieb die Tiere eigentlich in die Bäume? James Carey von der University of California glaubt, es sei die Sorge um den Nachwuchs gewesen.

Bisher gibt es zwei grundsätzliche Erklärungsmodelle zur Entstehung der Vögel. Das eine geht davon aus, die Vögel seien aus Tieren hervorgegangen, die bereits auf den Bäumen lebten. Diese könnten erst von Ast zu Ast gesprungen und später gesegelt sein. Im Laufe der Evolution könnte sich aus dem Segeln das Fliegen entwickelt haben. Der zweite Ansatz favorisiert die entgegen gesetzte Richtung: Die vorderen Extremitäten vierbeiniger Reptilien sollen sich demnach zu Flügeln geformt haben, um den Echsen erst das aufrechte Laufen, dann das Flattern zu ermöglichen.

Foto: James Carey stellt beide Theorien in Frage. Wäre das Fliegen aus dem Segeln entstanden, hätten die Vögel Flughäute wie Gleithörnchen oder Fledermäuse entwickeln müssen, meint der Paläontologe. Auch kann er sich keine sinnvollen Zwischenformen vom vierbeinigen Reptil zum Vogel vorstellen. Im Magazin "Archaeopteryx" stellt Carey jetzt eine neue Theorie zur Diskussion, die in der Brutpflege den Schlüssel zum evolutionären Wandel sieht. Demnach sollen die Urahnen der Vögel Reptilien gewesen sein, die ihre Eier in Nester am Boden legten. Reptilien-Eier werden meist ihrem Schicksal überlassen und entwickeln sich abhängig von der Temperatur ihrer Umgebung. Die Vogelvorläufer sollen dagegen zum Bewachen ihrer Nester und zum Brüten übergegangen sein. Letzteres könne die Entwicklung des wärmenden Federkleides erklären, meint Carey.

Um die geschlüpften Jungen zu verstecken, sollen die Brüter ihre Nester vom Boden in hohe Gräser, später auch auf niedrige Bäume verlegt haben. Der Nestbau in immer höheren Bäumen habe dann das Gleiten und Fliegen nötig gemacht, glaubt Carey. Auch die Entwicklung zum Schnabel glaubt er mit der Brutpflege, nämlich mit dem Füttern der Jungen, erklären zu können: Ein spitzer Schnabel sei zur Übergabe von Futter besser geeignet als eine Reptilien-Schnauze.

Der Familiensinn der Vögel erklärt laut Carey letztlich sogar, warum sie das Massensterben vor 65 Millionen Jahren überlebten. Weil Elternschaft die Entwicklung komplexen Verhaltens fördere, seien die Vögel sehr flexibel gewesen und hätten sich dem Wandel ihres Lebensraumes besser anpassen können. Die vergleichsweise schwerfälligen Dinosaurier und die Flugsaurier habe die Schnelligkeit der Evolution dagegen einfach überrollt.

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29.1.2002

Quelle:
University of California, Davis, 29.1.2002

Forschung:
James Carey, University of California, Davis., in "Archaeopteryx"

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