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Parasitengänge im Dinosaurier-Darm

Auch die größten Landlebewesen aller Zeiten dürften nicht von Parasiten verschont geblieben sein. Spuren solcher Quälgeister glauben amerikanische Forscher entdeckt zu haben. In den versteinerten Eingeweiden eines Entenschnabelsauriers stießen sie auf regelrechte Tunnel einheitlicher Form und Größe, die sie kreidezeitlichen Darmparasiten zuschreiben.

Foto: Leonardo unmittelbar nach seinem Tod. Zeichnung: Greg Wenzel

Karen Chin von der University of Colorado und ihre Kollegen fanden die “Grabgänge” in den Überresten eines Brachylophosaurus, der vor 77 Millionen Jahren im heutigen Montana gestorben war. Das auf den Namen Leonardo getaufte Exemplar war im Jahr 2000 entdeckt worden (siehe dazu unsere Meldung aus 2002) und ist derart gut erhalten, dass sich in seinem Körper sogar ein Gemenge von Lehm und Bruchstücken sowie Pollen von 40 unterschiedlichen Pflanzenarten finden lässt.

Damit nicht genug, berichtet Chins Student Justin Tweet jetzt auf einer Geologentagung in Philadelphia. Durch den vermutlichen Darminhalt ziehen sich Hunderte, meist einen Drittel Millimeter weite Gänge. Einige sind mit einer weißen Kalkschicht ausgekleidet, in der sich feine parallele Linien abzeichnen. Bei der Rekonstruktion der Gänge im Computer zeigte sich, dass mindestens ein Dutzend davon über mehrere Millimeter dicht an dicht neben anderen Gängen verläuft. Möglicherweise gehen diese Doppelgänge auf Paarungen ihrer Urheber zurück, spekuliert der Forscher.

Spuren von anderen Parasiten, von Aasfressern oder von in Aas lebenden Tieren fehlen dagegen völlig, betont Tweet. Da der Kadaver offenbar sehr rasch unter der Erdoberfläche verschwunden sei, dürften die Grabgänge von Tieren stammen, die schon vor dem Tod des Dinosauriers in dessen Eingeweiden gelebt hätten. Nach Ansicht des Forschers könnte der Entenschnabelsaurier von Würmern ähnlich heutigen Nematoden oder Ringelwürmern befallen gewesen sein. “Worum es uns letztlich geht, ist ein tieferes Verständnis der Ökologie der Dinosaurier, inklusive ihres Speisezettels und der Interaktion mit Zeitgenossen.”

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24.10.2006

Quelle:
CU Boulder, 23.10.06 / Text: Carsten Meinke, Scienceticker.info

Forschung:
Justin S. Tweet und Karen Chin, CU Museum und Department of Geological Sciences, University of Colorado, Boulder; Nate Murphy, Judith River Dinosaur Institute, Malta, Montana; Präsentation auf dem 2006 Annual Meeting of the Geological Society of America; #197-9

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