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Keine Magenmühle bei Riesen-Dinosauriern

Die massigsten Landbewohner aller Zeiten hatten ein nicht minder schwer wiegendes Verdauungsproblem. Zu diesem Schluss kommen Tübinger und Bonner Paläontologen nach Versuchen auf einer Straußenfarm. Demnach scheinen die Dinosaurier aus der Gruppe der Sauropoden ihre pflanzliche Kost nicht mit Mühlsteinen im Magen zermalmt zu haben.

Foto: Dr. Oliver Wings Strauße auf einer Farm bei Remagen wissen das Angebot an Mühlsteinen durchaus zu schätzen. Foto: Dr. Oliver Wings

“Zwar wurden gelegentlich Steine zusammen mit Sauropodenskeletten gefunden”, erläutert Martin Sander von der Universität Bonn. “Wir halten sie aber nicht für Überreste einer Magenmühle, wie sie bei Vögeln vorkommt.” Allerdings hätten die meist spitz zulaufenden Zähne der Sauropoden ebenfalls nicht zum Zerkleinern von Blättern und Zweigen getaugt. Vielleicht hätten sich die Riesen daher besonders viel Zeit für die Verdauung lassen müssen.

Einige pflanzenfressende Vögel schlucken Steine, die ihren mit einer Hornschicht ausgekleideten Muskelmagen in eine Mühle verwandeln. Die gleiche Funktion war glatt geschliffenen Steinen bei Sauropodenskeletten zugeschrieben worden. Gemeinsam mit seinem Kollegen Oliver Wings, mittlerweile an der Universität Tübingen, machte Sander die Probe aufs Exempel: Auf einer deutschen Zuchtfarm boten die Forscher den Straußen Kalkstein, Rosenquarz und Granit zum Fressen an.

Nach dem Schlachten der Tiere zeigte sich, dass die Steine in deren Magen nicht etwa glatt geschliffen, sondern regelrecht angefressen worden waren. Zudem entsprach die Masse der Magensteine im Schnitt einem Prozent der Körpermasse, berichtet das Duo im Fachblatt “Proceedings of the Royal Society B”. Hochgerechnet auf viele Tonnen schwere Sauropoden, müssten bei deren Skeletten Hunderte Kilogramm Magensteine zu finden sein.

Foto: Dr. Oliver Wings Die glatt polierten Steine wurden meist für Magensteine (Gastrolithen) gehalten - und als solche auch an Touristen verkauft. Foto: Dr. Oliver Wings

Zwar könne ein Vergleich zwischen einem 89 Kilogramm schweren Strauß und einem 50 Tonnen schweren Sauropoden durchaus gewagt erscheinen, so Wings. “Aber innerhalb der Vögel reicht die Spannweite des Körpergewichts und entsprechender Magensteinmassen ebenfalls über vier Größenordnungen, vom 17 Gramm leichten Rotkehlchen zum Strauß.”

Möglicherweise haben die Sauropoden versehentlich oder zur Mineralstoffaufnahme mitunter einen Stein verschluckt, vermuten Wings und Sander. Allerdings hätten die Steine aus den Straußenmägen durchaus jenen geähnelt, die man bei Skeletten höher entwickelter Theropoden gefunden habe, den Ahnen der heutigen Vögel. Dieser Befund passe zur der Annahme, dass sich die Magenmühle in der Vogelstammlinie entwickelt habe.

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20.12.2006

Quelle:
Text: Carsten Meinke, Scienceticker.info

Forschung:
Oliver Wings und P. Martin Sander, Institut für Geowissenschaften, Eberhard-Karls-Universität Tübingen, und Institut für Paläontologie, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn; Veröffentlichung in "Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences", DOI 10.1098/rspb.2006.3763

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