Dino-Sterben: Streit um Krater Chicxulub
Viele Indizien sprechen dafür, dass der Einschlag eines großen Asteroiden vor 65 Millionen Jahren das
Aussterben der Dinosaurier eingeleitet hat. Trotzdem bleibt die These umstritten. Auf einer
internationalen Fachtagung stritten Anfang April Geologen darüber, wie der Asteroiden-Einschlag auf der
mexikanischen Halbinsel Yucatan zu bewerten sei.
Die Asteroiden-Theorie geht davon aus, dass der Einschlag vor 65 Millionen Jahren einen Klimawandel
auslöste, den die Dinosaurier nicht überlebten. Demnach soll aufgewirbelter Staub aus dem Krater
Chicxulub eine lang anhaltende Finsternis bewirkt und die Fotosynthese der Pflanzen unterbunden haben.
Die irdischen Ökosysteme seien in der Folge komplett kollabiert. Dieser These widersprach jetzt eine
Forscherin auf einer europäisch-amerikanischen Fachtagung in Nizza. Wie Gerta Keller von der
Princeton University in New Haven, Connecticut, berichtete, konnte sie in einem Bohrkern aus
dem Krater große Mengen Plankton nachweisen. Die Meeresorganismen hätten den Einschlag um rund
300.000 Jahre überlebt. Dies spräche gegen einen gravierenden Klimawandel.
Auch Wolfgang Stinnesbeck von der Universität Karlsruhe zählt zum Lager der Zweifler. Er meint,
der Krater Chicxulub, der heute einen Durchmesser von 185 Kilometern besitzt, sei zur Zeit des
Einschlags deutlich kleiner gewesen. Möglicherweise sei die Erde von einer Reihe kleiner Asteroiden
anstelle eines einzelnen großen getroffen worden. Die klimatischen Auswirkungen wären dann neu zu
berechnen. Jan Smit, Geologe der Vrije University in Amsterdam hält die Einwände dagegen für
unberechtigt. Bei Kellers angeblichen fossilen Plankton-Funden handle es sich um Kristalle, also
um rein mineralische Strukturen, sagte der Forscher in Nizza.
Dass nach jahrelanger Forschung so extrem gegensätzliche Meinungen in der Fachwelt existieren,
sei von Beobachtern mit betroffenem Staunen aufgenommen worden, schreibt das Magazin "Nature" in seiner
Online-Ausgabe. Für weitere Verwirrung scheint gesorgt: Den von Keller untersuchten Bohrkern aus dem
Jahr 2002 nehmen zur Zeit Dutzende Forscher unter die Lupe. Und weitere Bohrungen im Chicxulub-Krater
sind bereits angekündigt.
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Quelle: Nature Science Update, 10.4.2003
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