Saurier-Herz oder Stein?
Organe von Dinosauriern sind nur extrem selten als Fossilien erhalten geblieben. Um so
überraschender war der Fund eines Saurier-Herzens im April letzten Jahres. Das vogelähnliche Herz
wurde bei einem vier Meter langen Thescelosaurus entdeckt. Das Tier lag in einem urzeitlichen
Flussdelta in South Dakota und wird auf ein Alter von 66 Millionen Jahren geschätzt. Zwei
amerikanische Paläontologen und ein Geologe stellen den Fund jetzt jedoch in Frage. Sie glauben,
das Herz von der Größe einer Pampelmuse sei in Wirklichkeit nur ein Klumpen Mineralien.
Der Verdacht der Forscher wird durch Bilder genährt, die die Entdecker des vermeintlichen Organs
mit Hilfe der Computer-Tomographie angefertigt und ins Internet gestellt haben. An zwei der angeblichen
Herzkammern seien keine Öffnungen zu erkennen und Arterien fehlten ganz, kritisieren die Wissenschaftler.
Die Strukturen erinnern sie an typische Verschmelzungen in Eisengestein. Nach Meinung des Geologen handelt
es sich um gesteinsähnliche Ablagerungen von Mineralien, die rund um den Fundort des Sauriers sowieso
weit verbreitet sind.
Die Entdecker des fossilen Fundes sehen das erwartungsgemäß ganz anders. Sie vermuten, das Herz sei
vor der Versteinerung bereits halb verrottet gewesen. Deshalb könne man keine feinen Gewebestrukturen
mehr erwarten. Genauere Computerscans sollen jetzt weitere Hinweise liefern. Ob die Aufnahmen eines
derart beschädigten Herzens überhaupt Hinweise zur Biologie der Tiere liefern können, wird von Experten
stark bezweifelt.
Über die Thescelosaurier ist glücklicherweise schon einiges bekannt: Sie gehören zur Gruppe der
leichtgebauten, schnellen Hypsilophodontiden. Diese Pflanzenfresser waren von der Oberjura bis zum
Ende der Kreidezeit fast auf der ganzen Welt verbreitet. Die meist aufrecht laufenden Tiere hatten
lange Hinterbeine, waren vermutlich sehr schnell und werden deshalb von manchen Forschern als
"Gazellen der Dinosaurierwelt" bezeichnet. Thescelosaurus selbst muss eher langsam gewesen sein,
weil er über starke, schwere Knochen verfügte. Als Besonderheit gelten seine gleich langen Ober-
und Unterschenkel und die Füße mit fünf Zehen.
Quelle: inScight, 2.2.01
Forschung: Timothy Rowe. Paul C. Sereno, in Science Vol. 291 No. 5505 p 783
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