Saurier im Sauerland: Friedhof mit
sechs Gattungen gefunden
Im nördlichen Sauerland lebten vor 130 Millionen Jahren mindestens sechs verschiedene Gattungen von
Dinosauriern. Neben Pflanzenfressern sollen auch Raubsaurier, Krokodile, Flugsaurier und
Schildkröten gleichzeitig gelebt haben. Darauf deuten Knochenfragmente und Saurierzähne hin,
die Wissenschaftler des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) heute der Öffentlichkeit
präsentierten. Zum ersten Mal wurde in Deutschland auch der Kieferknochen eines hasenähnlichen
Säugetiers der Unterkreidezeit nachgewiesen.
Krallenbein eines kleinen Raubsauriers.
Foto: LWL/Thomas |
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Die versteinerten Zähne, Wirbel und Knochenteile haben Mitarbeiter des LWL-Museums für Naturkunde
seit zwei Jahren in einem Schacht mit 35 Metern Durchmesser frei gelegt. "Dieser mindestens fünf
Meter tiefe, damals mit Wasser gefüllte Schacht muss in der küstennahen Seenlandschaft eine
natürliche Falle für die Tiere gewesen sein“, sagte der LWL-Paläontologe Klaus-Peter Lanser bei
der Vorstellung der Funde in Hagen; „wahrscheinlich kamen nicht nur die Dinosaurier, sondern
auch die übrigen Tiere an die Tränke. Hier deutet sich die Nahrungskette an: die Raptoren und
Krokodile fraßen die Iguanodonten (Pflanzenfresser), Landschildkröten und hasenähnlichen Tiere."
Kieferfragment eines hasenartigen Säugetieres aus der Unterkreidezeit.
Foto: LWL/Thomas |
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Die gefundenen messerartigen Zähne und ein Krallenbein der Raubsaurier lassen nach Angaben der
Forscher auf Verwandte der Deinonychus oder Velociraptoren schließen. Diese etwa zwei Meter großen,
zweibeinigen Raptoren machten in Rudeln Jagd auf ihre Beutetiere. Größeren Raubsauriern konnte
bisher ein einzelner Zehenknochen zugeordnet werden, dem Flugsaurier ein Schwanzwirbel.
Zahn eines kleinen Raubsauriers.
Foto: LWL/Thomas |
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Die pflanzenfressenden Saurier, auf die Zähne, Zehenknochen und Hufbeine aus der Grabung hinweisen,
wurden bis zu drei Meter hoch und zwölf Meter lang. Von den Krokodilen blieben Panzerplatten und
Teile eines Schädels erhalten, von den Landschildkröten zahlreiche Reste. Die inzwischen ausgestorbenen
"Hasen des Erdmittelalters" müssen von ähnlicher Gestalt und Größe wie heutige Hasen gewesen sein.
Diese Pflanzenfresser waren damals wie die Dinosaurier weltweit verbreitet.
Ausgrabung eines Iguanodonten-Zahnes.
Foto: LWL/Thomas |
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"Bisher haben wir in Deutschland einen solchen Friedhof von verschiedenen Sauriern nebeneinander
noch nicht entdeckt", sagte Lanser. Die Forscher waren im Jahr 2000 auf die Fundstelle aufmerksam
geworden, als ein Privatmann dem LWL-Museum einen Knochenfund meldete. Seitdem wurde die genaue
Fundstelle geheim gehalten, die Ausgrabungen dauern an. Nach der Präparation soll eine Auswahl
der mehreren hundert Funde im Westfälischen Museum für Naturkunde in Münster zu sehen sein.

Ein Rudel Raptoren greift einen Saurier an. Illustration: John Sibbick /LWL
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Quelle: Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), 6.7.2004
Forschung: Klaus-Peter Lanser, u.a., LWL-Museum für Naturkunde
Surftipp:
Westfälisches Museum für Naturkunde
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