"Archaeoraptor" ist eine Fälschung
Nun ist es offiziell: Das Fossil namens "Archaeoraptor" ist eine
Fälschung. Der vermeintliche Urvogel besteht aus mindestens zwei
Tieren. Zu dieser Einschätzung gelangen Paläontologen der Universität
Texas. Die Forscher hatten den Archaeoraptor zusammen mit
chinesischen und kanadischen Kollegen computertomographisch
untersucht. Dabei konnte das Fossil als "Bausatz" aus mindestens
zwei Tieren identifiziert werden. Den gefälschten Dino-Vogel hatte
das US-Magazin "National Geographic" im Oktober 1999 stolz als
historische Sensation präsentiert.
Es handelt sich bei der Fälschung um eine Steinplatte, die Abdrücke
und Teile eines Skeletts enthält. Nach Angaben seiner Entdecker
sollte es sich um eine Art Urvogel handeln, der in der chinesischen
Provinz Liaoning ausgegraben worden war. Fachleute bezweifelten
allerdings schon bald nach der Veröffentlichung die Authentizität
des Vogels. Im letzten Jahr wurde deshalb eine genaue Analyse des
Fundes veranlasst.
Das Hinterteil des Archaeoraptor konnte dabei als Teil eines
Microraptor identifiziert werden. Dieser kleine, vogelähnliche
Saurier wurde inzwischen wiederholt in China gefunden. Er gilt
als der kleinste bisher bekannte Saurier. Das Hinterteil eines
solchen Exemplares wurde offenbar an die vordere Hälfte eines
bisher unbekannten Vogels montiert. Weil die Fachleute den Vogel
nicht bestimmen können, ist die Authentizität dieser Teile unsicher.
Vielleicht besteht die Fälschung sogar aus Stücken von fünf
verschiedenen Spezies, spekulieren die Wissenschaftler.
Wahrscheinlich fügten die Fälscher die Bruchstücke zusammen,
um den kommerziellen Wert des Fundes zu steigern. Das Traurigste
an dem Fall ist der Umstand, dass Informationen über die beiden
wirklichen Tiere, die hier zusammengefügt wurden, wohl für immer
verloren sind.
Die in die Irre geführten Fachleute können sich derweil trösten,
nicht als Erste einer Fälschung aufgesessen zu sein. Täuschungen
haben in der Paläontologie nämlich eine lange Tradition. Der wohl
älteste dokumentierte Fall ereignete sich schon im Jahr 1725.
Damals wurden dem Würzburger Wissenschaftler Adam Beringer
Kalksteine mit nachgebildeten "Fossilien" untergeschoben.
Die Fälschung flog erst auf, als Beringer schon eine wissen-
schaftliche Arbeit zum Thema veröffentlicht hatte. Die betreffenden
Objekte sind als "Beringersche Lügensteine" in die Geschichte
eingegangen.
Quelle: Nature, 29.3.2001
Forschung: Timothy Rowe, Richard A. Ketcham, University of Texas,
Nature 29.3.01, Vol. 410, No. 6828, pp 539-540
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