Röntgenstrahlen entdecken Dinosaurier
Saurierknochen, die sich in Steinplatten verstecken, bleiben nicht länger unentdeckt. Fraunhofer-Forscher
aus Nürnberg haben erstmals nachgewiesen, dass die so genannte Volumen-Computertomographie geeignet ist,
Gestein nach Fossilien zu durchleuchten. Ein in der Region Eichstätt entdecktes, etwa 151 Millionen Jahre
altes Dinosaurier-Skelett konnte mit Hilfe der speziellen Röntgentechnik teilweise sichtbar gemacht und
genau lokalisiert werden.
Anfang Juli hatte der freie Fernsehjournalist und Redakteur Herbert Bieber, der den Fund des Sauriers
verfilmen wollte, den Kontakt zum Entwicklungszentrum für Röntgentechnik EZRT hergestellt. Dort wurde
dann das Stück Solnhofener Plattenkalk aus der Nähe von Eichstätt ins Visier genommen. In der von außen
unscheinbaren Steinplatte entdeckten die Fraunhofer-Forscher die von den Paläontologen vermuteten
Überreste eines bisher unbekannten Landsauriers. Dazu Randolf Hanke, Leiter des EZRT: "Das Röntgen macht
die Arbeit der Präparatoren wesentlich einfacher. Sie wissen nun genau, ob in einem Stein Knochen zu
finden sind und an welcher Stelle sie mit ihrer akribischen und äußerst aufwendigen Feinarbeit beginnen
können."
Röntgenstrahlen erlauben einen relativ unkomplizierten Einblick in Materialien. Mit ihrer Hilfe können
Fehler entdeckt und Formen vermessen werden. Im Gegensatz zu anderen Prüfverfahren, beispielsweise der
Ultraschalltechnik, arbeitet die Röntgentechnik berührungslos und ist nicht auf bestimmte Materialien
begrenzt. Sie kann sowohl zur Untersuchung von Metall und Kunststoff als auch von Holz eingesetzt werden.
Selbst massive Steine werden durch Röntgenstrahlen durchsichtig.
Für den Blick auf das versteinerte Dinosaurier-Skelett setzten die Fraunhofer-Wissenschaftler auf die
Volumen-Computertomographie CT. Bei diesem Verfahren nehmen Röntgensensoren das Objekt aus jedem Winkel
auf. Dabei entstehen bis zu 1.200 Durchscheinbilder. Aus den Flächenprojektionen wird dann das Objekt
rekonstruiert. "Die schwachen Absorptionsunterschiede zwischen Fossil und Stein, die in einfachen
Durchstrahlungsbildern nicht mehr sichtbar sind, lassen sich mit CT verstärken", erläutert Dr. Hanke.
Günter Viohl, Direktor des Eichstätter Jura-Museums, war zunächst skeptisch, ob die Fraunhofer-Technik
Erfolg bringen würde. Er hatte das fragliche Steinstück bereits röntgentechnisch untersuchen lassen -
ohne Erfolg. Deshalb schickte er zunächst einen Stein mit einem eingeschlossenen Fischskelett in die
Röntgenkammer. Nachdem Hanke und seine Kollegen den Fisch innerhalb kürzester Zeit sichtbar machten,
rückte der Museumsdirektor das etwa 50 mal 50 Zentimeter große und drei Zentimeter dicke Steinstück
heraus, in dem er die Dinosaurierer-Überreste vermutete. Nach bereits drei Stunden waren die von der
Gesteinsschicht verborgenen Knochen zu erkennen.
Allerdings sind nur wenige Teile des gesamten Skeletts in der Platte zu entdecken. Dies legt die Vermutung
nahe, dass der restliche Saurier in noch nicht gefundenen Steinplatten liegt. Ein sensationeller Fund ist
es allemal: Die Knochen stammen vermutlich vom Jungtier einer bisher nicht bekannten Theropoden-Art.
Quelle: Fraunhofer-Gesellschaft, 27.7.01
Forschung: Dr. Randolf Hanke, Entwicklungszentrum für Röntgentechnik EZRT am Fraunhofer-Institut für
Integrierte Schlatungen IIS, Nürnberg
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