Sereno: Afrika hilft Dino-Rätsel lösen
Der US-Paläontologe Paul Sereno versteht es, sich und seine Forschung gut in Szene zu setzen.
Für seinen Auftritt auf dem Jahreskongress der Wissenschaftsgesellschaft AAAS in Boston
hatte er deshalb kleine Überraschungen vorbereitet. Forschern und Öffentlichkeit präsentierte
Sereno das Gabelbein eines Dinosauriers sowie einen kaum Hand-großen Krokodilschädel.
Nachdem in den letzten Monaten vor allem Fossilien aus China die Schlagzeilen beherrschten, will
Sereno den Blick wieder auf "sein" Afrika ziehen. Im Boden Afrikas schlummerten noch
zahlreiche fossile Spuren, die viele Rätsel der Dinosaurier-Evolution lösen könnten, so
Serenos These. Als Indiz Nummer Eins präsentierte er ein Gabelbein, das einem Spinosaurus
gehörte, einem Fleisch fressenden afrikanischen Saurier aus der Zeit der Oberkreide.
Das Gabelbein ist ein wichtiges Beweisstück für die Verwandtschaft von Dinosaurier und Vogel.
Der heute typische Vogelknochen entstand aus den beiden verwachsenen Schlüsselbeinen und ist
schon am Urvogel Archaeopteryx zu sehen. Das jetzt gefundene 110 Millionen Jahre alte
Gabelbein "bedeutet nicht, dass der Spinosaurus mit den Vögeln verwandt ist", betont Sereno, "das
Gabelbein spielt für die Entstehung des Fliegens keine Rolle." Der Forscher glaubt aber, die
bisher primitivste Form eines Dino-Gabelbeins gefunden zu haben, die eine Lücke in der
Evolutionsgeschichte schließen könnte.
Nur 80 Kilometer vom Fundort des Spinosaurus entfernt stieß Sereno auf Fund Nummer Zwei,
ein kleines, etwa 60 Zentimeter langes Krokodil mit breiter Schnauze, die einem Entenschnabel
ähnelt. Der Oberkiefer ist breiter als der Unterkiefer, die Zähne greifen nicht ineinander.
Möglicherweise sei der kleine Jäger auf Beute wie Frösche spezialisiert gewesen, spekuliert
Sereno. Auch gebe es Indizien, dass das Krokodil mehr Zeit an Land als im Wasser verbrachte,
sich also möglicherweise nur zur Jagd in Ufernähe aufhielt.
Aus den Vergleichen mit anderen Funden aus Afrika und Südamerika will Sereno Hinweise auf die
Bildung der Kontinente finden. Wahrscheinlich habe sich Afrika als erste Landmasse vom
Urkontinent Gondwana gelöst, so Sereno, die südamerikanische Tierwelt wäre demnach enger
mit der Fauna Indiens und der Antarktis verwandt.
Quellen: American Association for the Advancement of Science (AAAS), BBC u.a., 18./19.2.2002
Fotos: AAAS
Surftipp: Paul Sereno´s Dinosaur Web Site: http://dinosaur.uchicago.edu/
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