Sensationsfund: Hadrosaurier mit Haut und Muskeln
Einen sensationell gut erhaltenen Entenschnabel-Dinosaurier (Familie Hadrosauridae) kann das Phillips County Museum in
Montana präsentieren. Das etwa sieben Meter lange Tier ist zu 90 Prozent mit Hautabdrücken sowie Muskeln und Innereien
erhalten geblieben. Dass weiches Gewebe fossiliert und so die Jahrmillionen übersteht, ist eine absolute Ausnahme: Nur drei
vergleichbare Funde gibt es bisher weltweit. In der Regel zerfällt das Fleisch bis auf die Knochen, bevor die Versteinerung
einsetzt.

Brachylophosaurus canadensis
Foto: Mark Thompson, Phillips County Museum
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Das jetzt vorgestellte Exemplar der Spezies Brachylophosaurus canadensis haben die Forscher auf den Namen
"Leonardo" getauft.
Der Pflanzenfresser aus der Kreidezeit wurde schon im Sommer 2000 entdeckt, als Wissenschaftler des "Judith River Dinosaur Institute"
und Hobby-Paläontologen eine Exkursion ins nördliche Montana unternahmen. Als sich abzeichnete, dass ein vollständiger Saurier
im Gestein schlummerte, stellten die Forscher die Grabung zurück und organisierten für das Folgejahr 2001 eine groß angelegte Bergung.
Im Phillips County Museum war allerdings noch ein weiteres Jahr Feinarbeit nötig, um den Fund aufzubereiten. Erst in diesem Oktober
auf der Jahrestagung der "Society of Vertebrate Paleontology" in Norman, Oklahoma, präsentierte Museumsdirektor Nate Murphy den
Fund seinen staunenden Fachkollegen.
Nach Murphys Erkenntnis lebte Leonardo vor rund 77 Millionen Jahren, wog zum Zeitpunkt seines Todes etwa 1,5 bis 2 Tonnen
und erreichte ein Alter von drei bis vier Jahren. Das Tier starb vermutlich am Rande eines Gewässers und wurde sofort vom Schlamm
luftdicht zugedeckt. Anders ist kaum zu erklären, warum nicht nur die Knochen, sondern auch Rücken- und Halsmuskulatur sowie der
Magen versteinern konnten. Im Magen ist sogar die letzte Mahlzeit noch gut zu erkennen: Der Pflanzenfresser hatte Farne, Koniferen
und eine Magnolien-ähnliche Pflanze verzehrt.
Die Hadrosaurier stammen vermutlich aus Zentralasien, waren in der Kreidezeit aber über die ganze Nordhalbkugel verbreitet. Ihren
Beinamen Entenschnabel-Dinosaurier verdankt die Familie ihrer breiten, abgeflachten Schnauze, die in einen Schnabel mündet. Dieser
besaß nur im hinteren Kieferbereich einige Backenzähne zum Zermahlen der pflanzlichen Kost. Die meisten Hadrosaurier gingen
vermutlich auf allen Vieren, konnten sich aber wohl bei Gefahr aufrichten und dann nur auf den wesentlich längeren Hinterbeinen in
schnellem Tempo die Flucht ergreifen.

Brachylophosaurus canadensis
Bild: Judith River Dinosaur Institute
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Quelle: Inscight / Judith River Dinosaur Institute, 18.10.2002
Surftipps:
Phillips County Museum
Bergungsbericht mit weiteren Bildern
Zur Spezies Brachylophosaurus
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